Aktuelle Veranstaltungen und Aufführungen Unsere Angebote

»Richard Wagner ist das zentrale Phänomen der deutschen Geistes- und Kulturgeschichte.«

Prof. Dr. Dr. Udo Bermbach

Herzlich Willkommen auf dem Portal
des Richard-Wagner-Zentrums Mitteldeutschland e.V.

Der Titan der Musik, das rastlose Genie, die Nervensäge, der Revolutionär und Schwarm eines Königs wie vieler Frauen und Männer stammt aus der historischen Kulturlandschaft Mitteldeutschland – Richard Wagner. In Leipzig geboren, wuchs er dort und vor allem in Dresden auf, um dann in der Musikstadt Leipzig zum Musiker und Komponisten zu werden. Unser Verein will die Dinge und Themen, die sein Leben ausmachen, sammeln, aufbereiten und zugänglich machen. Die sich hier engagierenden Menschen sind interessiert, neben den historischen Fakten und Hintergründen aktuelle Entwicklungen, vor allem aber die Pflege des Wagnerschen Werkes im Hier und Heute auf den Bühnen, in den Instituten und vor allem in der Gesellschaft unserer Region darstellen. Unser Verein will aber auch für die Orte werben, deren Besuch wegen Wagner, den Aufführungen seiner Werke und manch anderen Attraktionen lohnt. Diese Seiten werden nie vollständig und fertig sein, denn die Realität holt das Erreichte immer wieder ein. Aber so aktuell und realitätsnah wie möglich will unser Verein mit seinem Zentrum sein, informativ und – so hoffen die Macher – interessant. Vielleicht tragen Sie als Besucher dazu bei, fördern und unterstützen dieses Engagement. Wer weiß? Der Vorstand lädt Sie im Namen aller Mitglieder ganz herzlich dazu ein.

Mitteldeutschland. Ein Gesamtkunstwerk
aus Geschichte, Landschaft und Kultur.

Richard Wagner in Mitteldeutschland –
ein Musikgenie und seine Landschaft

Richard Wagner zählt zu den bis heute berühmtesten und weltweit am meisten gespielten deutschen Komponisten. Seine Opern und Musikdramen auf die Bühne zu bringen, gilt bei allen Musiktheatern als größte Herausforderung und ist die Kür im Programm. Sein Leben selbst war opernreif und spiegelt sich in seinen zahlreichen Schriften. Er ist der streitbare aber auch umstrittene Philosoph und Entwickler von Gesellschaftsmodellen unter den Komponisten und revolutionierte die Musik im 19. Jahrhundert. Er schuf das Gesamtkunstwerk, war rastlos und verhalf dabei der Gattung der deutschen Oper zum Durchbruch.

Richard Wagner

Die heutigen Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen boten, sieht man einmal von kurzen Zwischenspielen in Böhmen, Königsberg, Riga und Paris ab, bis 1849 die Bühne, auf der sich sein Leben und Werden vollzog, in denen er Spuren hinterließ und sich solche von Land und Leuten tief in ihn eingruben. Seine Geburtsstadt, die Musikstadt Leipzig, bot ihm alles, um Musiker zu werden, nur keine berufliche Perspektive. Dresden, die Stadt, in der er die längste Zeit seines Lebens verbrachte, bot ihm nicht nur den größten musikalischen Triumph und die für ihn höchste gesellschaftliche Stellung aber auch die Gelegenheit als radikaler Revolutionär dies alles aufs Spiel zu setzen. Sein erstes Engagement führte ihn nach Bad Lauchstädt, Rudolstadt und Bernburg sowie Magdeburg, wo es ihm gelang, erstmals eine eigene Oper aufzuführen. Die Wartburg in Eisenach inspirierte ihn zum „Tannhäuser“ und in der damaligen großherzoglichen Hauptstadt Weimar brachte Franz Liszt am Hoftheater 1850 Wagners „Lohengrin“ zur Uraufführung. Da hatte sich mit dem Exil in der Schweiz das Kapitel Mitteldeutschland längst für Wagner geschlossen, der „wegen wesentlicher Theilnahme“ an der Revolution in Dresden steckbrieflich gesucht wurde. Rien ne va plus? Zumindest bis 1860. Dann wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen, allerdings mit Mitteldeutschland als Nebenschauplatz. Die erste Aufführung seines Mega-Werkes, der Tetralogie „Der Ring des Nibelungen“, außerhalb Bayreuths ging in seiner Geburtsstadt über die Bühne, mit Folgen, die er und seine zweite Frau Cosima damals noch gar nicht ermessen konnten. Er jedenfalls zeigte ihr in einem Anflug von Sentimentalität noch einmal alle seine Lebensstationen in diesem kultur- und geschichtsträchtigen Teil Deutschlands. Unser Verein zeigt all das auf und liefert bei Bedarf nähere Informationen dazu.

Aktuelles

Neue Geschäftsstelle für unser Wagner-Zentrum
Wenn Steine reden könnten. Die Geschichte springt einen hier förmlich an, steht man auf dem Dom- und Schlossberg zu Merseburg. Bei den Vereinigten Domstiftern zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz nutzen wir ab 1. September die Räumlichkeiten am Domplatz 7, die ein leistungsfähiges Büro, einen Versammlungs- und Vortragsraum und eine umfängliche Bibliothek mit Magazin umfassen, die auf Zuwachs angelegt ist. Termine nach Vereinbarung.
Mitteldeutsche Richard-Wagner-Nachrichten – Ausgabe 3/2022
Unsere neuen Wagner-Nachrichten sind erschienen mit einem Rückblick auf Wagner 22 in Leipzig und vielem mehr. Auf Wunsch senden wir sie für 2,– € Unkostenbeitrag (Porto und Verpackung) zu.
Einfach Mail an: info@richard-wagner-zentrum.de
Wagner 22 in Leipzig. Das ultimative Souvenir oder Geschenk in diesem Sommer ist die Wagner-Tasse unseres Zentrums. Hergestellt in Thüringen und versehen mit allen 13 Opern Richard Wagners, die in Leipzig gespielt werden. Nur bei uns und nur für 17,– EUR. Viele weitere interessante Artikel finden Sie unter: UNSERE ANGEBOTE.

Das kleine Landschloss, heute gesichert
Neue Fenster. Hofffentlich hält die Hauswand
Hauptrisalit, Zustand 2018

Richard Wagner in Böhmen

Schloss des Grafen Pachta in Pravonin vorerst gerettet
Richard Wagner kam mehrmals in die Prager Stadtwohnung der Pachtas und auf ihr Landschloß Pravonin in der Region des Blanik, des böhmischen Kyffhäusers. Er verliebte sich erst in Jenny, dann in Auguste, die Töchter das Grafen und konnte sich nicht entscheiden. Wichtig waren aber auch die gesellschaftlichen und beruflichen Kontakte, so dass er im November 1832 seine einzige, die C-Dur Sinfonie, am deutschen Konservatorium in Prag uraufführen konnte. Er arbeitete aber hier auch, skizzierte u. a. das Libretto der romantischen Oper “Die Hochzeit”.
Das Schloss verfiel durch Nichterhaltung in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Als nach der politischen Wende auch noch die Dorf-Post auszog, verkam es zur Ruine. 2018 reisten wir mit dem Richard-Wagner-Verband Leipzig dorthin und waren schockiert. Wir hielten es nicht mehr für rettbar. Am 7. November 2022, auf dem Weg zum Janacek-Festival nach Brünn, wieder ein Besuch und die Überraschung, dass am Schloss Gerüste stehen und erste Baumaßnahmen zu sehen waren. In den Jahren 2019 / 2020 hatte ein tschechischer Unternehmer das Schloss gekauft. Und man sagt ihm nach, dass er Liebhaber der Musik von Richard Wagner sei.
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Hofseite des Weber-Hauses
Dr. Romy Donath, Tom Adler
Info-Stand unseres Zentrums mit Dr. Barbara Linse, rechts Tom Adler

Wunderharfe trifft Zauberflöte
Sonderausstellung „Ohne Weber kein Wagner!“ im Carl-Maria-von-Weber-Museum Dresden-Hosterwitz eröffnet

Wer zu Weber geht, um mehr über Wagner zu erfahren, bekommt Mozart. Denn Musik aus der Zauberflöte, vorgetragen von zwei Geigern der Sächsischen Staatskapelle, Wagners Wunderharfe, gehörte zum künstlerischen Rahmen der Ausstellungseröffnung im Carl-Maria-von-Weber-Museum in Dresden-Hosterwitz. Weit hergeholt? Mitnichten. „Ich glaube an Gott, Mozart und Beethoven“ schrieb Wagner in seiner 1840 in Paris entstandenen, autobiografisch gefärbten Novelle „Ein Ende in Paris“.

Sehr nachdrücklich und mit einigen wenigen Anmerkungen versehen trug Schauspieler Johannes Gärtner Wagners Rede bei dem von Wagner als Webers Nachfolger organisierten, ja sogar erst ermöglichten Begräbnis am Wohnort Dresden vor. Und die steht exemplarisch für Wagners fast durchgängig gleichbleibende Haltung zu Weber. Dazu Kurator Tom Adler von der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ Weimar, neben den Wagner-Stätten Graupa Kooperationspartner in diesem Gemeinschaftswerk: Grundgedanke der Ausstellung ist zu zeigen, welche Spuren Weber in Wagners Leben und Wirken hinterlassen hat. Die Einmaligkeit des persönlichen Erlebens als Kind, aber nie den künstlerischen Dialog geführt zu haben (wie zum Beispiel mit Rossini, Liszt etc.), lässt Weber eine besondere Bedeutung für Wagner zukommen. Seine Weber-Sichtweise wechselt vom Idol zum Objekt harscher Kritik bis hin zur Glorifizierung im fortgeschrittenen Alter. … Die Ausstellung spürt sowohl biographischen als auch künstlerischen Schnittpunkten Webers und Wagners nach, wobei die (Dresdner) Romantik mit E.T.A. Hoffmann ebenfalls als ein Ansatzpunkt für die deutsch-romantische Oper und das Musikdrama hervorgehoben wird.

Weber und Wagner wirkten als Hofkapellmeister in der Residenzstadt und beide suchten ihr Sommerdomizil in der ländlichen Umgebung von Pillnitz. Es war ein gelungener Spätnachmittag am 23. Oktober, zu dem Leiterin Dr. Romy Donath ins authentische Komponistenhaus kurz vor Schloß und Park Pillnitz geladen hatte. Gedränge – kein Platz blieb leer in dem kleinen Haus. So soll es sein, wobei die Fahne der organisierten Wagnerianer durch unser Zentrum mit einem eigenen Infostand hochgehalten wurde. Es lohnt sich, diese sehr informative, in Bild und Text außerordentlich gelungene Ausstellung zu den üblichen Öffnungszeiten des Museums bis zum 30. April 2023 zu besuchen. Am 24. und 25. März 2023 wird im nahen Graupa eine Tagung zum Thema stattfinden.

Fotos: Barbara Linse/Thomas Krakow

Carl-Maria-von-Weber-Museum, Dresdner Straße 44, 01326 Dresden
MI bis SO · 12:00 bis 17:00 Uhr · Preise: 4,– €, ermäßigt und Gruppen ab 10 Personen 3,– €

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Der eigentliche Star – Dirigent Marek Janowski. Links flankiert von Egils Silins
Vorsitzender Klaus Weinhold vom RWV Dresden mit Frau Hannelore, Thomas Krakow
"Alberich" Jochen Schmeckenbecher in Aktion

Wagner in Dresden, wo er die meisten Jahre seines Lebens verbrachte

„Der Ring des Nibelungen“ an der Dresdner Philharmonie im Kulturpalast der sächsischen Haupt- und Residenzstadt

Altmeister Marek Janowski erfüllte sich im letzten Jahr als Chefdirigent der Dresdner Phiharmoniker einen Traum. Wie schon einmal in den achtziger Jahren dirgierte er im frisch sanierten und modernisierten Kulturpalast den „Ring des Nibelungen“, Richard Wagners Opus magnum. Dort, wo Wagner die meisten Jahre seines Lebens verbrachte, wo er lebte, lernte und liebte und wo er drei Opern, ein Oratorium und viele kleinere Kompositionen zur Uraufführung brachte. Der Saal der Philharmonie in Hamburgs sächsischer Partnerstadt hat eine mindestens ebenso spektakulär gute AkustikElbphilharmonie in Hamburg wie die Elbphilharmonie in Hamburg. Sogar besser, meinte Janowski beim begleitenden Symposium. Ein Vorabend und drei Tagen opulentes wagnersches Musikdrama mit seinem so heutigen Inhalt wurden dem Publikum geboten samt einem Sympsoium zum modernen Orchester und – endlich wird es praktiziert – begleitender Führungen in den Wagner-Stätten Pirna-Graupa. Unser Znetrum präsentierte sich dabei sehr erfolgreich auf der Parkettebene mit einem Informationsstand dem Publikum, an dem auch der Richard-Wagner-Verband Dresden beteiligt war.

Ein berauschtes Publikum erlebte diese exzellente musikalische Präsentation von Wagners Opus magnum im Kulturpalast. Es war ein „Ring“ der Extraklasse, den Maestro Marek Janowski mit den Musikern der Dresdner Philharmonie sowie allen Solisten in einem Saal der Extraklasse den Besuchern offerierte. Allerdings war nicht nachvollziehbar, warum das Haus nicht ausverkauft war. Allein 117 Orchestermusiker, die Amboßschläger von Nibelheim mitgerechnet, verzauberten im „Rheingold“. Das Publikum riss es am Ende von den Stühlen. Jochen Schmeckenbecher als Alberich wurde im RHEINGOLD zum Abräumer des Abends und ebenso frenetisch nach der Götterdämmerung gefeiert. Fast nicht auszuhalten war die berührende Stimmung bei Wotans Abschied in der „Walküre“, die Janowski und sein Orchester mit Catherine Foster und Egils Silins dem Publikum mit auf den Heimweg gaben. Publikumsreaktionen auf Regiekollektive wie im Sommer in Bayreuth oder gerade an der Berliner Staatsoper waren hier bei konzertanten Aufführungen nicht zu erwarten. Für den grenzenlosen Jubel bei „Siegfried“ im leider auch dabei nicht ausverkauften Haus stand ein Spitzenorchester unter seinem souveränen Stabführer und eine handverlesene Gruppe Solisten, die man so nur selten findet. Glücklich diejenigen, die sich richtig entschieden und das erleben durften.

Die „Götterdämmerung“ krönte den Dresdner „Ring des Nibelungen“ der Philharmonie. Es waren STARKE SCHEITE und ein Beben im Dresdner Kulturpalast.Am Ende stand eine gelbe Rose. Sebastian Stieler aus Leipzig, Mitglied des dortigen Richard-Wagner-Verbandes, reichte Catherine Foster ein einzelnes Exemplar unter tosendem Applaus auf die Bühne. Foster hatte als Brünnhilde mit ihrem unter die Haut gehenden Schlussgesang gemeinsam mit den Musikern der Dresdner Philharmonie unter Stabführung ihres scheidenden GMD einen starken Akzent und Schlusspunkt gesetzt, der exemplarisch für diesen gesamten konzertanten Dresdner „Ring“ stand. Noch vor Jochen Schmeckenbecher, der diesen genialen sympathisch-unverschämten Alberich gab, war sie der unumstrittene Star dieses „Rings“. Nach der Aufführung an der Oper Leipzig im Rahmen von Wagner 22 im Juli d. J. zeigte nun die Philharmonie der sächsischen Kunstmetropole an der Elbe, wo in Mitteldeutschland die Musik spielt. Es war ein Siegeszug des sächsischen Komponisten und Kapellmeisters Richard Wagner in dieser Stadt, die ihn nicht immer liebte. Verstärkt um den MDR-Rundfunkchor und Sänger des Leipziger Opernchores boten alle Künstler eine überragende Glanzleistung. Den kurzfristig erkrankten Markus Eiche als Gunther ersetzte glänzend Michael Kupfer-Radetzky. Welch ein Gewinn er ist, hatte er bereits im Sommer in Bayreuth exemplifiziert. Das Publikum erklatschte viele „Vorhänge“.

Und zwischen beiden Tagen ein Symposium zu „Wagner und das moderne Orchester“ mit Albert Breier, Komponist und Autor aus Dresden, Dr. Wolfgang Mende von den Richard-Wagner-Stätten Pirna-Graupa und Prof. Dr. med Dirk Mürbe, dem Direktor der Klinik Audioligie und Phoniatrie der Berliner Charité, der Erkenntnisse zur Stimmphysilogie den Gästen mit einem tiefen Blick in den „Schlund“ der Sänger erlaubte. Wer noch nicht wusste, dass Wagner-Gesang Schwerstarbeit ist, hatte es nun verstanden. Das erfrischende und den Tag abschließende Gespräch des Journalisten Uwe Friedrich mit Marek Janowski legte vor allem die besondere Beziehung des Dirigenten zu Wagner und dabei vor allem dem „Ring“ offen, so dass man sich nicht vorstellen kann oder will (?), dass es trotz seines Alter der letzte gewesen sein soll.

Dass fast keine Mitglieder der beiden anderen sächsischen Richard-Wagner-Verbände aus Chemnitz und Leipzig zu sehen waren – geschenkt. Sebastian Stieler mit seiner Rose stand für sie alle. Uns bestätigte es umso mehr in der Erkenntnis, wie wichtig unser Zentrum für Mitteldeutschland ist. Vielen Dank für die Ermöglichung unserer Präsentation und die Unterstützung den Verantwortlichen der Dresdner Philharmonie. Dank auch an den RWV Dresden und seinen Vorsitzenden Klaus Weinhold für die Kooperation und die Handreichungen.

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Talentierter Nachwuchs. Dirigent Tim Fluch.
Foto: Anna Werner
Paul Gukhoe Song als Holländer
Foto: Carsten Beier
Young Woo Kim als Erik, Damenchor
Foto: Carsten Beier

Senta, die Untoten und das ganz reale Leben

Eigentlich ist die Kulisse um die Felsenbühne Rathen in der Sächsischen Schweiz schon Handlungsrahmen genug. Ist sie am Anfang nur bizarr, bietet sie dem Uneingeweihten, wenn er ansonsten Raum und Zeit vergisst, mit einsetzender Dämmerung Stimmungswechsel und alle Zutaten für den Schauder auf dem Rücken. Man kann verstehen, dass es der ideale Ort für die Webersche Wolfsschlucht im „Freischütz“ ist. Doch reicht es auch für das in Mode befindliche Gespenstische jener Zeit, in der Richard Wagner Heinrich Heine las, jahrelang die Ostseeküste Ostpreußens und Lettlands vor Augen hatte und final das Toben des Meeres im Skagerrak mit Todesangst überlebte? Und als nach dem Werden „Der Fliegende Holländer“ am 2. Januar 1843 am Hoftheater zu Dresden zur Uraufführung kam? Die Regisseurin Kai Anne Schuhmacher schien dem nicht ganz zu trauen. Hin- und hergerissen zwischen historischer Vorlage und einem Zeitgeist, der meint, dem Zuschauer Brücken ins Hier und Heute bauen zu müssen, um den Anschluss nicht zu verlieren, schwankte die Inszenierung zwischen Ernsthaftigkeit und Seriosität einerseits sowie billigem Slapstick und heutigen Versatzstücken andererseits. Dabei waren Anleihen aus dem gescheiterten Inszenierungsversuch Michael von zur Mühlens (Leipzig 2008), oder der wenig überzeugenden „Durchdringung“ von Jan-Philipp Gloger (Bayreuth 2012) u.a. nicht zu übersehen. Warum der Tod, ob angesetzt oder herbeigeführt, mit dem Kehlschnitt per zerbrochener Flasche gesucht wurde, erschloss sich nicht. Dabei entstehender Müll gehört heute zu einer modernen Bühne. Das sagt nichts über Schuhmacher aus, die, will sie wahrgenommen werden, dem veröffentlichen Mehrheitsgeschmack eines Feuilletons entsprechen muss, dessen Macht im sich hebenden oder senkenden Daumen liegt. Und das dem Publikum wenig zutraut, weshalb der Hang zum Infantilen weit verbreitet ist. Schickt man aber Beckmesser nach Hause, bleibt sehr viel auf der Habenseite. Und das liegt vor allem bei den Landesbühnen Sachsen und ihrem Hausorchester, der Elblandphilharmonie. Spielfreude und Leistungsfähigkeit waren bei der besuchten Vorstellung am 4. September 2022 spürbar, allen voran Florian Neubauer (Steuermann), Raffaela Lintl (Senta) sowie Paul Gukhoe Song (Holländer), der schauspielerisch und gesanglich überzeugte und natürlich Young Woo Kim (Erik). Das tatsächlich im Maritimen angesiedelte Bühnenbild machte es dem Orchester nicht leicht, bei den nicht idealen Bedingungen einer Freilichtbühne hinter geborstenen Schiffsplanken zu brillieren. Eine glückliche Fügung war, dass der musikalische Leiter Ekkehard Klemm an jenem Tag Pult und Bühne dem talentierten Nachwuchsdirigenten Tim Fluch überließ, der die Nuancen der Musik Wagners gekonnt akzentuierte und dabei eine gute Figur machte. Christian Thielemann wusste, wen er da gefördert hatte. Das gemischte Publikum fand Unterhaltung und der Kenner insgesamt seinen Wagner wieder.

Nach der letzten Aufführung: Siegfried-Magnus Vigilius
Niklas Björling-Rygert als Mime, der große Verlierer
Humor im besten Sinne: "Applaus! Ich muss gleich ins Bett."

DAS IST KEIN MANN!

Siegfried als reiner Thor von Esbjerg

Blick über den Tellerrand. Kennen Sie Esbjerg in Dänemark? Wenn nicht, ist es keine Schande. Aber als Wagnerianer sollte man es auf dem Zettel haben. Denn im dortigen „Musikhuset“, kein Opernhaus aber ein Konzert- und Aufführungssaal mit hervorragender Akustik, wird seit 2017 ein „Ring“ geschmiedet. Ein „Ring des Nibelungen“ der Extraklasse. Grund genug für uns, während der ausklingenden Sommerpause über den Tellerrand zu blicken, zumal ein uns wohl bekannter Sänger die Partie des Titelhelden sang.

Werbung? Fehlanzeige. Der Chef des Hauses gönnt sich diese Inszenierung selbst und schafft es immer wieder, die Mittel dafür einzuwerben. Es begann 2017 mit „Die Walküre“, 2019 folgte „Das Rheingold“. Wegen Corona nun „Siegfried“ erst im August 2022. Zum Glück, denn Magnus Vigilius, Dänemarks Aushängeschild in Sachen „Heldentenor“, erzählte im Frühjahr, dass er die Titelpartie singen wird. Ja, wer denn sonst? Ist er doch der erste Typ „Siegfried“ seit dem deutschen Peter Hofmann – der nur den Siegmund sang – der die Partie nicht nur auf höchstem Niveau singen kann, sondern dessen Erscheinung man die Figur auch abnimmt. Der Mann sieht blendend aus, auch weil er sportlich ist und hat, was kein Nachteil ist, eine Schauspielausbildung. Entsprechend kam er auch beim Publikum an und wurde wie ein Held gefeiert. Mit begeistertem Applaus wurden aber auch alle anderen Darsteller bedacht, boten sie doch mit dem Hauptprotagonisten ein Bühnenmusikstück, das uns eine Oper von Richard Wagner und nicht des Regisseurs zeigte. Der wiederum steckte tief im Stoff und bot Anspielungen und Rückblenden zur persönlichen Biografie der Personen und deren Familiengeschichte. Alles logisch, alles wohl durchdacht und auf das Stückverständnis des Publikums zugeschnitten. Fricka (Anne Mette Balling) lauschte quasi als Alter Ego ihrem als Wanderer (Jens Søndergaard) daherkommenden Gatten Wotan und schaute ihm auf die Finger. Da den Göttern und ihrem Gezücht nichts Menschliches fremd ist, gab es auch ausreichend zu schmunzeln, vor allem beim letzten Auftritt von Alberichs (Jesper Buhl) Sohn Hagen als Kind (Jonathan Skovbjerg Hildebrandt), wenn der am Ende des 2. Aufzugs vor den Vorhang tritt mit einem Schild, auf dem geschrieben steht „Applaus! Ich muss gleich ins Bett.“

Regisseur Kasper Wilton spricht generationenübergreifend das Publikum an, das für drei – leider nur drei – ausverkaufte Vorstellungen sorgte und mitging. Das bestens gestimmte Orchester unter Harry Sever bot alles, damit jeder Einzeldarsteller seine Figur überzeugend singen und ausspielen konnte, Trine Bastrup Møller als überzeugende Brünnhilde, Jesper Brun-Jensen als gar nicht so stupider Fafner und vor allem der grandiose und mit Magnus-Siegfried bestens eingespielte Niklas Björling-Rygert als Mime. Aber noch einmal: Der klare, ja helle, mit viel Ausdruck aufgeladene und dennoch lyrische Tenor des blonden Magnus Vigilius, seine hohe Emotionalität und schon fast berstende Vitalität machen den Mann geradewegs zum Naturereignis. Magnus Vigilius ist ein Geschenk für jede Wagner-Bühne. So hat man sich einen Siegfried vorgestellt – und wünscht ihn sich. Mehr und öfter auch auf deutschen Bühnen.

Fotos: Steffen Aarfing, Thomas Krakow

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Aktuelle Aufführungen in Mitteldeutschland

(Detailinformationen bei den Häusern)

11. November 2022
Schauwerk, Magdeburg

"Frauen fördern Richard Wagner"

Vortrag zur „weiblichen“ Geschichte der Wagner-Verbände.
Veranstalter: Richard-Wagner-Verband Magdeburg
Foto: Wally Pruss

11. November 2022
Staatstheater Meiningen, Landestheater Eisenach, Großes Haus

Der fliegende Holländer

Romantische Oper in drei Aufzügen
Uraufführung: 2. Januar 1843 am Königlichen Hoftheater Dresden
Foto: Christina Iberl

20. November 2022
Oper Leipzig

Lohengrin

Große romantische Oper in drei Akten
Uraufführung: 28. August 1850 am Großherzoglichen Hoftheater Weimar
Foto: Kirsten Nijhof

25. November 2022
Oper Leipzig

Lohengrin

Große romantische Oper in drei Akten
Uraufführung: 28. August 1850 am Großherzoglichen Hoftheater Weimar
Foto: Kirsten Nijhof

26. November 2022
Staatstheater Meiningen, Großes Haus

Der fliegende Holländer

Romantische Oper in drei Aufzügen
Uraufführung: 2. Januar 1843 am Königlichen Hoftheater Dresden
Foto: Christina Iberl

10. Dezember 2022
Oper Leipzig

Lohengrin

Große romantische Oper in drei Akten
Uraufführung: 28. August 1850 am Großherzoglichen Hoftheater Weimar
Foto: Oper Leipzig

Unsere Angebote

Bei unserem Verein können Sie folgende Produkte und Dienstleistungen bestellen.
Dabei hat alles seinen Preis, den Sie bei uns anfragen können.
Stadtführungen Dresden

Stadtführungen
in Leipzig oder Dresden

Tagesfahrten

Tagesfahrten zu Wagner-Orten –
zum Teil mit Orgelanspiel

Flyer Richard-Wagner-Zentrum Mitteldeutschland e.V.

Flyer aller vorgestellten Orte –
auch als praktische Flyerbox erhältlich

Vorträge und Ausstellungen