Archiv Aktuelles

Talentierter Nachwuchs. Dirigent Tim Fluch.
Foto: Anna Werner
Paul Gukhoe Song als Holländer
Foto: Carsten Beier
Young Woo Kim als Erik, Damenchor
Foto: Carsten Beier

Senta, die Untoten und das ganz reale Leben

Eigentlich ist die Kulisse um die Felsenbühne Rathen in der Sächsischen Schweiz schon Handlungsrahmen genug. Ist sie am Anfang nur bizarr, bietet sie dem Uneingeweihten, wenn er ansonsten Raum und Zeit vergisst, mit einsetzender Dämmerung Stimmungswechsel und alle Zutaten für den Schauder auf dem Rücken. Man kann verstehen, dass es der ideale Ort für die Webersche Wolfsschlucht im „Freischütz“ ist. Doch reicht es auch für das in Mode befindliche Gespenstische jener Zeit, in der Richard Wagner Heinrich Heine las, jahrelang die Ostseeküste Ostpreußens und Lettlands vor Augen hatte und final das Toben des Meeres im Skagerrak mit Todesangst überlebte? Und als nach dem Werden „Der Fliegende Holländer“ am 2. Januar 1843 am Hoftheater zu Dresden zur Uraufführung kam? Die Regisseurin Kai Anne Schuhmacher schien dem nicht ganz zu trauen. Hin- und hergerissen zwischen historischer Vorlage und einem Zeitgeist, der meint, dem Zuschauer Brücken ins Hier und Heute bauen zu müssen, um den Anschluss nicht zu verlieren, schwankte die Inszenierung zwischen Ernsthaftigkeit und Seriosität einerseits sowie billigem Slapstick und heutigen Versatzstücken andererseits. Dabei waren Anleihen aus dem gescheiterten Inszenierungsversuch Michael von zur Mühlens (Leipzig 2008), oder der wenig überzeugenden „Durchdringung“ von Jan-Philipp Gloger (Bayreuth 2012) u.a. nicht zu übersehen. Warum der Tod, ob angesetzt oder herbeigeführt, mit dem Kehlschnitt per zerbrochener Flasche gesucht wurde, erschloss sich nicht. Dabei entstehender Müll gehört heute zu einer modernen Bühne. Das sagt nichts über Schuhmacher aus, die, will sie wahrgenommen werden, dem veröffentlichen Mehrheitsgeschmack eines Feuilletons entsprechen muss, dessen Macht im sich hebenden oder senkenden Daumen liegt. Und das dem Publikum wenig zutraut, weshalb der Hang zum Infantilen weit verbreitet ist. Schickt man aber Beckmesser nach Hause, bleibt sehr viel auf der Habenseite. Und das liegt vor allem bei den Landesbühnen Sachsen und ihrem Hausorchester, der Elblandphilharmonie. Spielfreude und Leistungsfähigkeit waren bei der besuchten Vorstellung am 4. September 2022 spürbar, allen voran Florian Neubauer (Steuermann), Raffaela Lintl (Senta) sowie Paul Gukhoe Song (Holländer), der schauspielerisch und gesanglich überzeugte und natürlich Young Woo Kim (Erik). Das tatsächlich im Maritimen angesiedelte Bühnenbild machte es dem Orchester nicht leicht, bei den nicht idealen Bedingungen einer Freilichtbühne hinter geborstenen Schiffsplanken zu brillieren. Eine glückliche Fügung war, dass der musikalische Leiter Ekkehard Klemm an jenem Tag Pult und Bühne dem talentierten Nachwuchsdirigenten Tim Fluch überließ, der die Nuancen der Musik Wagners gekonnt akzentuierte und dabei eine gute Figur machte. Christian Thielemann wusste, wen er da gefördert hatte. Das gemischte Publikum fand Unterhaltung und der Kenner insgesamt seinen Wagner wieder.

Nach der letzten Aufführung: Siegfried-Magnus Vigilius
Niklas Björling-Rygert als Mime, der große Verlierer
Humor im besten Sinne: "Applaus! Ich muss gleich ins Bett."

DAS IST KEIN MANN!

Siegfried als reiner Thor von Esbjerg

Blick über den Tellerrand. Kennen Sie Esbjerg in Dänemark? Wenn nicht, ist es keine Schande. Aber als Wagnerianer sollte man es auf dem Zettel haben. Denn im dortigen „Musikhuset“, kein Opernhaus aber ein Konzert- und Aufführungssaal mit hervorragender Akustik, wird seit 2017 ein „Ring“ geschmiedet. Ein „Ring des Nibelungen“ der Extraklasse. Grund genug für uns, während der ausklingenden Sommerpause über den Tellerrand zu blicken, zumal ein uns wohl bekannter Sänger die Partie des Titelhelden sang.

Werbung? Fehlanzeige. Der Chef des Hauses gönnt sich diese Inszenierung selbst und schafft es immer wieder, die Mittel dafür einzuwerben. Es begann 2017 mit „Die Walküre“, 2019 folgte „Das Rheingold“. Wegen Corona nun „Siegfried“ erst im August 2022. Zum Glück, denn Magnus Vigilius, Dänemarks Aushängeschild in Sachen „Heldentenor“, erzählte im Frühjahr, dass er die Titelpartie singen wird. Ja, wer denn sonst? Ist er doch der erste Typ „Siegfried“ seit dem deutschen Peter Hofmann – der nur den Siegmund sang – der die Partie nicht nur auf höchstem Niveau singen kann, sondern dessen Erscheinung man die Figur auch abnimmt. Der Mann sieht blendend aus, auch weil er sportlich ist und hat, was kein Nachteil ist, eine Schauspielausbildung. Entsprechend kam er auch beim Publikum an und wurde wie ein Held gefeiert. Mit begeistertem Applaus wurden aber auch alle anderen Darsteller bedacht, boten sie doch mit dem Hauptprotagonisten ein Bühnenmusikstück, das uns eine Oper von Richard Wagner und nicht des Regisseurs zeigte. Der wiederum steckte tief im Stoff und bot Anspielungen und Rückblenden zur persönlichen Biografie der Personen und deren Familiengeschichte. Alles logisch, alles wohl durchdacht und auf das Stückverständnis des Publikums zugeschnitten. Fricka (Anne Mette Balling) lauschte quasi als Alter Ego ihrem als Wanderer (Jens Søndergaard) daherkommenden Gatten Wotan und schaute ihm auf die Finger. Da den Göttern und ihrem Gezücht nichts Menschliches fremd ist, gab es auch ausreichend zu schmunzeln, vor allem beim letzten Auftritt von Alberichs (Jesper Buhl) Sohn Hagen als Kind (Jonathan Skovbjerg Hildebrandt), wenn der am Ende des 2. Aufzugs vor den Vorhang tritt mit einem Schild, auf dem geschrieben steht „Applaus! Ich muss gleich ins Bett.“

Regisseur Kasper Wilton spricht generationenübergreifend das Publikum an, das für drei – leider nur drei – ausverkaufte Vorstellungen sorgte und mitging. Das bestens gestimmte Orchester unter Harry Sever bot alles, damit jeder Einzeldarsteller seine Figur überzeugend singen und ausspielen konnte, Trine Bastrup Møller als überzeugende Brünnhilde, Jesper Brun-Jensen als gar nicht so stupider Fafner und vor allem der grandiose und mit Magnus-Siegfried bestens eingespielte Niklas Björling-Rygert als Mime. Aber noch einmal: Der klare, ja helle, mit viel Ausdruck aufgeladene und dennoch lyrische Tenor des blonden Magnus Vigilius, seine hohe Emotionalität und schon fast berstende Vitalität machen den Mann geradewegs zum Naturereignis. Magnus Vigilius ist ein Geschenk für jede Wagner-Bühne. So hat man sich einen Siegfried vorgestellt – und wünscht ihn sich. Mehr und öfter auch auf deutschen Bühnen.

Fotos: Steffen Aarfing, Thomas Krakow

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Zürich, Villa Wesendonck
Zürich, Büste Richard Wagners am "Asyl"
Luzern, Wohnhaus von Richard Wagner und Cosima in Tribschen

Auf Wagners Spuren von Augsburg über München in die Schweiz – ein außerordentliches Reiseangebot

Der Reiseveranstalter, RV Touristik GmbH bietet nur bis zum 30. August 2022 folgende außergewöhnliche Reise an:

Reisezeitraum: 14. bis 19. Oktober 2022

1. Tag – 14. Oktober 2022: Fahrt nach Augsburg (A)
Unter Leitung des Vorsitzenden, Herrn Thomas Krakow, geht unser Fahrt im modernen Reisebus nach Augsburg. Nach unserem gemeinsamen Abendessen besuchen wir die Vorstellung „Der Ring des Nibelungen“ der Augsburger Puppenkiste. Im Anschluss fahren wir noch ein Stückchen weiter und beziehen unser Hotel in Dachau. (1 ÜN)

2. Tag – 15. Oktober 2022: Stadtrundgang München – Luzern (F, I, A)
München und Richard Wagner sind für immer schicksalhaft miteinander verbunden. Wagner kam zum ersten Mal 1861 nach München und auch die Uraufführung von „Tristan und Isolde“ fand hier 1865 im Königlichen Hof- und Nationaltheater statt. Bei einem Stadtrundgang /-fahrt begeben wir uns auf Wagners Spuren. Nach einem Mittagsimbiss geht unsere Fahrt weiter nach Luzern. Abendessen und Übernachtung. (2 ÜN)

3. Tag – 16. Oktober 2022: Nietzsche-Haus in Sils (F, A)
Wir unternehmen einen Ausflug nach Sils Maria im Engadin und besuchen das Museum Nietzsche-Haus. Der Philosoph Friedrich Nietzsche verbrachte hier einst seine ideen- und schaffensreichste Zeit. Gemeinsam, und unter Führung von Thomas Krakow, wandern wir zu einem von Nietzsches Lieblingsorten – zur Halbinsel Chasté. Anschließend Rückfahrt in unser Hotel und Abendessen.

4. Tag – 17. Oktober 2022: Stadtführung Luzern – Tribschen und Seelisberg – Zürich (F, M)
Luzern, das Tor zur Zentralschweiz, liegt, eingebettet in ein eindrückliches Bergpanorama, am Vierwaldstättersee. Historische, mit Fresken geschmückte Häuser schmücken die Altstadt. Bei einer Stadtführung mit dem Präsidenten der Schweizerischen Richard Wagner-Gesellschaft, Herrn Stefan Gallati, erkunden wir diese malerischen Plätze. Danach fahren wir gemeinsam nach Seelisberg am Vierwaldstätter See und essen zu Mittag. Anschließend besuchen wir noch Tribschen und fahren weiter nach Zürich. (2 ÜN)

5. Tag – 18. Oktober 2022: Stadtführung Zürich – Oper „Walküre“ (F, M)
Zürich ist die Hauptstadt des gleichnamigen Kantons und zugleich die größte Stadt der Schweiz. Für Richard Wagner wurde Zürich ab 1849/50 zur Bühne, hier verfasste er etliche Schriften. Ein Stadtrundgang wird uns die Wirkungsstätten von Wagner zeigen. Mit unserem Bus fahren wir unter anderem auch zur Villa Wesendonck. Nach dem gemeinsamen Mittagessen haben wir die Möglichkeit um 17:00 Uhr die Aufführung der Wagner-Oper „Walküre“ im Opernhaus Zürich zu sehen (fakultativ).

6. Tag – 19. Oktober 2022: Rückreise nach Leipzig (F)
Heute geht es mit unserem Reisebus zurück nach Leipzig.

(Programmänderungen, insbesondere in der Reihenfolge des Ablaufes, vorbehalten. An- und Abreisetag dienen ausschließlich zur Erbringung der Beförderungsleistung. F = Frühstück, M = Mittagessen, A = Abendessen, I = Imbiss)

Alle relevanten Daten, Preise und Informationen zur Buchung erhalten Sie im Flyer, den Sie direkt downloaden können.

Flyer und Anmeldeformular
Wo "Lohengrin" draufstand, war tatsächlich "Lohengrin" drin!
Foto: Thomas Krakow
Einnehmende Bühnenpräsenz: Lena Kutzner (Elsa), Magnus Vigilius (Lohengrin)
Foto: Michael Reichel
Magnus Vigilius bei der Autogrammstunde
Foto: Thomas Krakow

Meiningen, Lohengrin und das Publikum

Es war eine schwere Entscheidung, am 10. Juli nach Meiningen zu fahren. In Leipzig stand im Rahmen von Wagner 22 „Die Götterdämmerung“ auf dem Programm und so wie sich das ganze Festival, nun „Der Ring des Nibelungen“, aufgeladen hatte, war Grandioses zu erwarten. Und das traf auch ein, so dass Intendat und GMD Ulf Schirmer seine eigentlichen Huldigungen für die Tätigkeit an und mit Wagner völlig zurecht und mit dem Gewandhausorchester auf der Bühne, von denen, die es zu verstehen und zu schätzen wussten, entgegennehmen konnte. Die Leipziger Stadtpolitik fehlte an diesem Abend, wie auch zum abschließenden „Parsifal“, wie auch bei allen Aufführungen deutlich wahrnehmbar.
In Meiningen war das zur letzten ganz normalen Aufführung zum Spielzeitende nicht nötig. Da erledigte das Publikum seine Aufgabe in jeder Beziehung. Die erst Ende April d. J. auf die Bühne gekommene, tatsächlich nach Richard Wagner erfolgte Inszenierung – nicht Ausdeutung – des „Lohengrin“ von Altintendant Ansgar Haag hatte von der Premiere weg das Publikum fortgerissen. Dass Haag das Stück in seine Enstehungszeit 1846/47, also kurz vor die gewaltsame Entladung der wirtschaftlichen, vor allem aber gesellschaftlichen Wiedersprüche in Deutschland 1848, beim Maiaufstand in Wagners Dresden erst 1849, legte, war eher eine Parabel auf gesellschaftliche Zustände und Widersprüche im heutigen Deutschland. Das zeitgeistige aktuelle Russland-Bashing soll ja eher davon ablenken und fand in Meiningen wie auch in Leipzig nicht statt.
Man kann darüber orakeln, warum die Gerüchte einfach nicht verstummten, dass der aktuelle Intendant diese Inszenierung nicht mag. Fest stand aber, dass sie nach Ende dieser Spielzeit in die Historiensammlung des Meininger Staatstheaters integriert und nicht wieder aufgeführt werden sollte. Das Feuilleton stand anfangs mehrheitlich kritisch zur Inszenierung, nicht so das Publikum, das von der Premiere weg seine Begeisterung zum Ausdruck brachte. Bleibt die Frage, für wen ein Haus spielt, ein Regisseur inszeniert. Vielleicht kann man hier einfach König Heinrich folgen in der Einschätzung, dass „unsere Weisheit Einfalt ist“, denn das Stück wurde vom Publikum verstanden und in jeder Beziehung bis zum Ausverkauf besucht, gefeiert und alle Beteiligten bejubelt. Die Meininger Staatskapelle unter GMD Philippe Bach, Chor und Extrachor, die Solisten, da gab es keinen, an dem etwas auszusetzen wäre und mit Lena Kutzner hat das Haus eine kongeniale Elsa, mit Shin Keniguchi d e n bejubelten Telramund und beide Ortruds verkörperten diese Rolle bis zum Bersten psychologisch tiefgehend. Die tragische langwierige Erkrankung von Tenor Michel Siemon wurde zur Meininger Sternstunde der beiden Einspringer Marco Jentzsch aber vor allem Magnus Vigilius, der sich von der Premiere bis zur letzten Vorstellung in die Herzen nicht nur des Publikums sang. Und was sich an jenem 10. Juli in Meiningen auf der Bühne abspielte und hernach im Zuschauerraum, war den Verzicht auf die Leipziger „Götterdämmerung“ wert. Angereichert duch viele auswärtige Besucher im restlos ausverkauften Haus, fand eine fast schon durch nicht enden wollendes Klatschen, Trampeln und Bravorufen ekstatische demokratische Abstimmung gegenüber den auf der Bühne befindlichen Ansgar Haag als Regisseur und Intendant Jens Neundorff von Enzberg statt. Dem Intendanten ist nur zu gratulieren, dass am Folgetag die Entscheidung die Runde machte, diesen „Lohengrin“ in der übernächsten Spielzeit wieder in den Spielplan zu nehmen. Und wir sind dankbar, dass Magnus Vigilius wieder bereit war, nach der Vorstellung im Foyer für sein Publikum auf unserem Sonderheft Autogramme zu geben. Um seine Stimmbänder im Wagner-Modus zu halten, sollte man ihn unbedingt den „Tannhäuser“ auf der Wartburg singen lassen.

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Lyrisch, poetisch, kraftvoll
Magnus Vigilius mit Preislied
Foto: Kirsten Nijhof
Heldentenor mit Fans
Opernfreunde, Magnus und Julius Vigilius
Foto: Michael Ranft
Wann geht der nächste Schwan?
Lohengrin Vigilius, Vereinsvorsitzender Krakow
Foto: Michael Ranft

Der "Meistersinger" auf "Lohengrins" Spuren
MAGNUS VIGILIUS SIGNIERTE IN UNSERER GESCHÄFTSSTELLE

Rauschhafter atemberaubender Jubel bricht sich Bahn, als am 3. Juli 2022 nach knapp sechs Stunden die letzten Töne der „Meistersinger von Nürnberg“ verklungen sind und die Hardcore-Wagnerianer, darunter der Autor, sich das sofort noch einmal geben könnten. Denn was da vom Gewandhausorchester unter Stabführung von GMD-Intendant Ulf Schirmer, dem Chor und den Solisten in den mit 1263 Besuchern voll besetzten Zuschauerraum strömte, war beste deutsche Operntradition. Von kleinen Peinlichkeiten im Bühnenbild als Ausdruck der Diktion oder des Selbstschutzes des Regisseurs vor politischen Besserwissern abgesehen, war diese Inszenierung ein Opernabend, für den allein sich schon die Anreise vieler Besucher aus allen Teilen dieser Welt gelohnt hat. Weltklassemusiktheater in Leipzig – endlich wieder. Höbe man jemanden heraus, wäre man unfair. Alle boten die gleiche Meisterschaft.
Keine Allüren und trotzdem erfolgreich.
Einer der Hauptprotagonisten war tags zuvor am Vormittag unser Gast. Der Klimawandel hatte auch Leipzig wieder mit subtropischen Temperaturen im Griff, die bis in die Passage des HansaHauses gekrochen war. Das hielt uns aber nicht ab und schon gar nicht den perfekten „Lohengrin“ für die Schwanenausstellung, eine Signierstunde zu veranstalten. Man kennt ihn nur gut gelaunt, Magnus Vigilius, ein herausragender „Lohengrin“ in Meiningen und am 3. Juli in Leipzig eben wieder der Walther von Stolzing in den „Meistersingern“. Zur Verstärkung hatte er sich Sohn Julius mitgebracht, der sich das Treiben der Erwachsenen eine Weile ansah und sich dann doch für eine Entdeckertour durch Leipzig entschied. Die Besucher bekamen unsere „Vereinsnachrichten“ signiert und unser Verein den Premiereneintrag in sein Ehrenbuch. Ansonsten gute Gespräche, viel Spaß mit dem Schwanenhelm, den 2006 Stefan Vinke im Haus am Augustusplatz trug, und gute Stimmung. Die ist das Markenzeichen von Magnus. Das steckt an und passt zu dem, was die Oper Leipzig gerade den Leipzigern und Gästen der Stadt schenkt.

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Was für ein Abend
RICHARD WAGNERS "Die Feen" in der Oper Leipzig

Da saß die Aufregung mit ihm Haus, wenn Erkrankungen oder Quarantäne einen Auftakt beeinträchtigen. Doch es lief wie geschmiert, wurde gefeiert und natürlich auch bemeckert. Aber warum?
Das war ein Auftakt nach Maß im Leipziger Haus am Augustusplatz. Drei Hauptprotagonisten fielen krankheitsbedingt aus. Und? Es wurde gespielt!
Die größte Hochachtung verdient Marc Horus für die kurzfristige Übernahme der mörderischen Rolle des Arindal vom erkrankten Ray Cornelius Smith. (Wagner war unerfahren und rücksichtslos gegenüber dem Sänger.) Sichtlich angestrengt hat er sie dennoch gemeistert und damit den Abend gerettet. Was wäre die Alternative gewesen? Ausfall?
Matthias Foremny für Christoph Gedschold? Nicht der Rede wert. Der Mann ist Vollprofi und hat schon viel Gold aus dem Graben fließen lassen. Er hat zuverlässig geliefert, was man von ihm erwarten durfte.
Und Kirstin Sharpin für Liene Kinca? Es war Kirstin Sharpins Abend. Sie hat ihn genutzt. Diese Frau war längst aufgefallen als Isolde in Nordhausen (unser Heft 1-2021), als Solistin im 7. Symphonischen Konzert der Rudolstädter Sinfoniker in Saalfeld und danach im Festprogramm im Markgräflichen Opernhaus Bayreuth anlässlich des 150. Jahrestages der Grundsteinlegung für das dortige Festspielhaus durch einen Leipziger namens R. W. (unser Sonderheft Wagner 22). In Leipzig kam man nicht umhin, an Christine Libor zu denken, die diese Rolle seit 2013 stimmlich und visuell prägte. Eine Libor ist die Sharpin noch nicht. Aber auf dem besten Weg dorthin. Schließlich bekam auch sie Szenenapplaus für ihre Interpretation der Arie der Ada! Wie die Libor jedesmal …! Eine Glanzleistung derer in der Oper Leipzig, die diesen Abend möglich machen mussten und es auch taten. Was sonst? Thomas Krakow

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Barbara Hoene – Eine Kammersängerin auf Abwegen?
EIN SOMMERABEND IM WAGNERDORF POSSENDORF

Unsicher war das schon, denn die Frage „Wo liegt das eigentlich?“ kam mehr als einmal. Auch die Kammersängerin war noch niemals dort. Und natürlich war passend zur Situation auch die direkte Straße von Dresden oder der A17 gesperrt. Aber wo ein Wille ist, „die Hoene“ zu erleben, da ist auch ein Weg. Und den fanden rund 70 Besucher einer Veranstaltung, wie sie öfter einmal stattfinden könnte. Thomas Krakow hatte für das „Richard-Wagner-Zentrum Mitteldeutschland“ eingeladen und war gewarnt worden, dass diese Grand Dame der Dresdner Semperoper nicht auf den Mund gefallen sei. Logisch, Stimme und Mund sind ihr Hauptarbeitsinstrument. Vor allem musste er aber sein Mikrofon festhalten, das die Dame ihm schnell einmal entriss, wenn ein Gedankenblitz dem Publikum nicht vorenthalten werden sollte. Und so wurde es ein unterhaltsamer, amüsanter Spätnachmittag an diesem 11. Juni 2022, begleitet von Ex-Gewandhausorganist Matthias Eisenberg, der zur

Sigfrid Karg-Elert
Richard-Wagner-Album
18 Konzertbearbeitungen für Orgel
Tannhäuser
Einzug der Gäste auf der Wartburg
Nr. 4

Franz Liszt
Präludium zur Kantate
„Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“
bearbeitet von Alexander Winterberger

Sigfrid-Karg-Elert
Richard-Wagner Album
18 Konzertbearbeitungen für Orgel
Meistersinger
Festmusik aus den Meistersingern
Nr. 8

Bürgermeister Wersing dankte für die Initiative aus Weißenfels und unser Zentrum kann zurückblicken auf eine perfekt gelungene Kooperation mit dem Richard-Wagner-Verband Dresden und der Kirchgemeinde Possendorf.
Das soll nicht das letzte Mal gewesen sein.

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FASZINATION WAGNER ZUM 209. GEBURTSTAG

Vortrag in Leipzig, Reise durchs Wagnerland und Parlamentsgespräch extra in Magdeburg

Nein, rund war dieser Geburtstag am 22. Mai 2022 nicht. Und trotzdem bot unser Zentrum am 18. Mai 2022 einen Vortrag ganz nah am Geburtsort des Meisters, dort, wo sich einige der Punkte im von Thomas Krakow erdachten Stadtplan „WagnerWege in Leipzig“ drängen, den er als frisch gebackener Vorsitzender des Richard-Wagner-Verbandes Leipzig 2008 erstmals herausgab. Salles de Pologne hieß der Veranstaltungsort in der Hainstraße 16, dort, wo sich 1834 die Redaktion der „Zeitung für die elegante Welt“ befand. Wagner schrieb selbst in ihr oder ließ eigene Werke besprechen, als Heinrich Laube, Autor des Buches „Das junge Europa“, der Chef war. Prof. Chris Walton aus Solothurn (CH) hielt einen Vortrag zur Oper „Das Liebesverbot oder die Novize von Palermo“ unter dem Titel „Im siebenten Himmel? Minna und Richard Wagner: Süße Not. Liebesverbot. Ehegebot.“ und stellte sie dabei in den Kontext von Wagners persönlicher Situation und dessen eigene Rezeption. Die von den Jungdeutschen um Heinrich Laube u.a. propagierte „freie Liebe“, nicht nur vom jungen Wagner begierig antizipiert, fand in dem Werk durchaus ihre Entsprechung, denn eigentlich hätte die Oper auch „Das Sexverbot“ heißen können. Undenkbar in einer Zeit, in der schon „Das Liebesverbot“ mit einem Untertitel abgemildert werden musste. Zahlreiche Besucher (teilweise aus Berlin und Dresden angereist) wurden zum Abschluss auf der Dachterrasse des Veranstaltungsortes mit einem traumhaften Blick über Leipzigs Innenstadt belohnt.
Der Referent begab sich derweil mit Vereinsvorsitzendem Thomas Krakow auf Wagner-Tour zum Uraufführungsort der Oper nach Magdeburg. In Weißenfels traf Walton den designierten Oberbürgermeister Martin Papke am Gedenkstein für das Geburtshaus von Wagners Mutter Johanne Rosine Pätz. Er stand am Grab von Novalis und entdeckte das Heinrich-Schütz-Haus. In Merseburg zeigte ihm Krakow den 1000jährigen Kaiserdom und den eigentlichen Ort der Parlamentsgespräche, das Ständehaus der ehemaligen preußischen Provinz Sachsen. In Bad Lauchstädt, Wagners erstem festen Arbeitsort mit der Bethmannschen Theatertruppe aus Magdeburg beeindruckten die historischen Kuranlagen und das Goethetheater, zu dem ihnen unkonventionell die Tür aufgetan wurde. Kopfschütteln und Fotos für die Wagner-Freunde weltweit provozierte am Wohnhaus von Richard Wagner und Minna Planer ein Verkehrsschild, das seit Kurzem die historischen Info-Tafel am Haus verstellt und somit Fotografieren problematisch macht. Wahrlich ein Schildbürgerstreich.
In Magdeburg schließlich hatten der lokale Richard-Wagner-Verband und der Förderkreis des Theaters Magdeburg dazu beigetragen, dass am 19. Mai Prof. Waltons Vortrag als Parlamentsgespräch extra am Landtag unter der Schirmherrschaft des Landtagspräsidenten stattfinden konnte. Dafür standen auch die anwesenden Landtagsabgeordneten Elke Simon-Kuch (Weißenfels), Sven Czekalla (Merseburg) und Stephen G. Stehli (Magdeburg-Nord). Bis aus dem Harz waren die Gäste angereist und machten den Abend im Café des Klosters Unser Lieben Frauen neben dem Landtag, Schnittpunkt von Nord- und Südroute der Straße der Romanik, zum temporären Wagner-Zentrum. Neben den Genannten sei hier Martin Papke aus Weißenfels, Sven Czekalla aus Merseburg, den Salles des Pologne in Leipzig und der Easygastro GmbH des Klostertheaters herzlich für Unterstützung und entgegenkommen gedankt. Nicht zu vergessen Michael Ranft und Ralf-Rainer Hoffmann als Fotografen und den hilfreichen Vereinsmitgliedern Martina Mangels, Peter Richter und Thorsten Gras.

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Fotos: Wolfgang Kubak
Schnuppern am Büchertisch
Merseburgs Bürgermeister Bellay Gatzlaff heißt willkommen

Herfried Münkler mit „Marx-Wagner-Nietzsche.
Welt im Umbruch“ in Merseburg

1. Parlamentsgespräch am 4. März 2022 im Ständehaus war voller Erfolg

Das konnte Vorsitzender Thomas Krakow nicht ahnen, was sich seit zwei Wochen in Osteuropa abspielt und dass er mit Prof. Herfried Münkler genau dazu einen Experten eingeladen hatte, der Mitglieder der Bundesregierung berät und täglich auf wechselnden Kanälen die großen Zusammenhänge erklärt. Aber Radiomoderator Axel Thielmann ergriff professionell beide Fäden und setzte das Momentane mit „Marx-Wagner-Nietzsche“ unter dessen Untertitel „Welt im Umbruch“, um dann diese Welt im Umbruch des 19. Jahrhunderts an drei ihrer außergewöhnlichsten Protagonisten jener Zeit zu exemplifizieren. Bürgermeister Gatzlaff hatte begrüßt und brachte mit CDU-Landtagsabgeordnetem Sven Czekalla zum Ausdruck, dass die Politik sich durchaus bewusst war, wie hochkarätig da verhandelt wurde. Wer nicht dabei war, hat eine der Sternstunden publizistischer Kommunikation verpasst, wie man sie selten erlebt und bei der ein Moderator exzellente Fragen stellt, die dem Autor und Referenten offensichtlich schmeichelten. Der ließ sich aber nicht dazu verführen zu dozieren, sondern behielt das Publikum immer auf Augenhöhe. Das war aus ganz Deutschland angereist, war begeistert, belagerte den Referenten und den Büchertisch und votierte mit den Organisatoren: Es war ein voller Erfolg, das 1. Parlamentsgespräch im Ständehaus zu Merseburg.
Die aus der Ferne aber auch Teilnehmer aus der Region genossen am Folgetag die wie immer professionelle und sachkundige Führung von Beate Tippelt durch die 1000-jährige wechselvolle Geschichte des Merseburger Kaiserdoms.

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Thomas Krakow auf Wagners Spuren: Nordbayerischer Kurier zum neugegründeten Richard-Wagner-Zentrum Mitteldeutschland

Ein Besuch von Vereinsmitgliedern zum 139. Todestag Richard Wagners an dessen Grab im Garten der Villa Wahnfried in Bayreuth hatte Folgen. Kulturredakteur Roman Kocholl interviewte einen für Bayreuth alten Bekannten und berichtet somit für die dortige Leserschaft über unser neues Richard-Wagner-Zentrum Mitteldeutschland.

zum Beitrag des Nordbayrischen Kuriers
Szene aus dem 2. Akt mit Solisten, Chor und Statisten
Alexander Schulz (Tristan) und Kirstin Sharpin (Isolde) im 1. Akt
Isoldes Schlussgesang mit Kirstin Sharpin

Radikale Reduktion

Am 29. Januar 2022 hatte am Theater Nordhausen im Norden Thüringens Richard Wagners Oper „Tristan und Isolde“ in der Regie von Ivan Alboresi Premiere. Monika Beer, Vorsitzende des Richard-Wagner-Verbandes Bamberg, stellte uns ihren Bericht zur Verfügung.

Als erstes fiel mir Ralph Bollmanns Theaterrundreise „Walküre in Detmold“ ein, als ich von der „Tristan“-Produktion in Nordhausen erfuhr. Wagner in einem Haus, das keine 500 Zuschauer fasst (und zur Premiere nur vierzig Prozent reinlassen durfte)? Mit einem Orchester, das gerade mal 50 Musiker zählt, dazu jede Menge Debütanten auf, vor und hinter der Bühne? Ist das nicht ein aberwitziger Plan? Ist es. Trotzdem hat es funktioniert, und zwar mehr als beachtlich, ja zum Teil begeisternd.

Was gute Gründe hat, denn erstens eignet sich kein wagnerisches Musikdrama mehr zum intimen Kammerspiel als eben „Tristan und Isolde“. Und zweitens steht in Nordhausen Michael Helmrath am Pult, von Herbst 2016 bis Sommer 2021 Generalmusikdirektor des Theaters und des dazugehörigen Loh-Orchesters Sondershausen. Dem Dirigenten war bei der wegen Corona verschobenen Premiere nirgends anzumerken, dass das auch für ihn der erste komplette „Tristan“ war. Vielmehr war zu hören, dass da einer nicht nur die Partitur gut kennt – und, vor allem was die Tempi betrifft, die von Felix Mottl überlieferten Angaben Wagners –, sondern auch seine Instrumentalisten. Der frühere Solo-Oboist der Münchner Philharmoniker und langjährige Chef der Brandenburger Symphoniker weiß seine Musiker für diese außerordentliche Aufgabe zu motivieren und hat keine Angst davor, wenn die Streicherbesetzung noch deutlich unter dem liegt, was als Mindeststandard gilt. Natürlich ist ein derart dünner Streicherklang zuweilen grenzwertig, aber indem Helmrath entsprechende dynamische Retuschen vornimmt, damit insgesamt die Balance wieder stimmt, ist es ein zuweilen kammermusikalischer, aber dennoch ein veritabler Wagnerklang.

Das kommt vor allem den Solisten zugute, bis auf zwei Ausnahmen Rollendebütanten. Der Star des Abends ist Kirstin Sharpin als Isolde. Die aus Neuseeland stammende Sopranistin und Gewinnerin des Wagnerstimmenwettbewerbs 2015 in Karlsruhe rechtfertigt diesen Preis mir einer wunderbar klaren, sicheren, wortverständlichen und geschmeidigen, an den richtigen Stellen auch strahlkräftigen Stimme. Sie weiß und versteht, was sie singt, auch in ihrer Mimik und Körpersprache wirkt alles natürlich. Schade, dass Alexander Schulz als Tristan nicht über diese sängerdarstellerische Präsenz verfügt. Zwar lässt er vor allem im 3. Akt heldentenoral aufhorchen, doch vermag er sein stimmliches Potenzial nicht durchgängig und ausgeglichen einzusetzen. Als bestes Ensemblemitglied reüssiert Thomas Kohl als nur in den höchsten Tönen nicht souveräner König Marke, auch die weiteren Partien sind spielfreudig und gut besetzt. Dazu der von Markus Fischer einstudierte Herren- und Extrachor des Hauses sowie einige Statisten.

Ivan Alboresi, Ballettdirektor des Hauses, hat erstmals eine Oper inszeniert – noch ein gelungenes Debüt! In einer drastisch reduzierten Ästhetik mit einigen regietheatermodischen Einsprengseln versucht er, „die pure Essenz der Emotionen“ der Titelprotagonisten und der sie umkreisenden Figuren freizulegen. Die abstrakte Bühne von Wolfgang Kurima Rauschning besteht aus einem mehrfach gestaffelten, wandelbaren Plafond und einer drehbaren großen Schräge, die in allen drei Akten mit je unterschiedlichem Material belegt ist und von der im letzten Akt nur noch Bruchstücke vorhanden sind. Einige stimmige Projektionen und farbiges Licht genügen, um dem Publikum den Freiraum für passende Assoziationen zu geben. Die heutigen Kostüme von Dietrich von Grebmer setzen in der immer wieder surreal wirkenden und hin und wieder von Choristen und Statisten belebten Szenerie auch farbige Akzente. Wer wie von ungefähr ein bisschen an Neubayreuth denkt, liegt nicht falsch. Die Figuren bewegen sich teilweise wie Skulpturen im Raum, sind aber gleichzeitig sehr menschlich in ihrem Gefühlschaos. Auch wenn viel an der Rampe gesungen wird, ist das nur mit einer Ausnahme Rampensingen. Vielmehr intensiviert die gegebene Nähe den Ausdruck der Sängerinnen und Sänger, transportiert das, was die handelnden Personen in ihrem Innersten bewegt.

Ein Sonderlob gebührt den zuschauerfreundlich großen Übertiteln, unbedingt zu tadeln bleibt die unorthodoxe Vorhangregie, die der Titelprotagonistin und dem Publikum den ersten befreienden Applaus nicht gönnt und stattdessen zunächst die Statisten auf die Bühne schickt. Schade, dass keiner dem Operndebütanten Alboresi davon abgeraten hat. Denn damit wird den Hauptsolisten und dem gleichermaßen aufgewühlten Publikum im Saal verweigert, genau das zu empfangen beziehungsweise auszudrücken, worum es doch dreieinhalb Stunden lang gegangen ist: jede Menge Emotionen.

Fotos: Julia Lowres

Einzige bekannte Abbildung von Theodor Uhlig
Theodor Uhlig, Quartett Nr. 2, 1841
Geburtshaus (mit Tafel) in Wurzen 1991

Zum 200. Geburtstag von Theodor Uhlig aus Wurzen
Wagners Freund aus dem Muldental

Am 15. Mai 1822 wurde Gottlob Sigismund Theodor Uhlig in Wurzen geboren. Die Stadt an der Mulde, in der sich das Bistum Meißen in Reformationszeiten vollendete, besitzt mit der Kirche St. Marien quasi einen Dom, direkt neben dem beeindruckenden innerstädtischen Renaissanceschloss. Uhligs Vater war Hornist beim lokalen Jägerbataillon, was der Vollwaise, die Uhlig bereits mit acht Jahre war, die Unterbringung in einem Militärwaisenhaus bei Pirna bescherte. Schnell wurde er als musikalisches Wunderkind erkannt und von Sachsens König Anton und dessen Nachfolger Friedrich August II. gefördert. Nach erfolgreichem Musikstudium in Dessau wurde er Geiger in der Sächsischen Hofkapelle und lernte Richard Wagner kennen. Die Freundschaft hielt bis in Wagners Exil in der Schweiz, wo Uhlig ihn mehrfach in Zürich besuchte. Der Briefwechsel zwischen beiden war intensiv und wird gern als historisch bezeichnet. Uhlig, ganz Kind seiner Zeit, veröffentlichte in der in Leipzig erscheinenden „Neuen Zeitschrift für Musik“ am 23. Juli 1850 den Artikel „Zeitgemäße Betrachtungen“, in dem er sich zu jüdischen Komponisten und deren Werken äußert. Ähnliches findet sich dann in Wagners Artikel vom 3. September 1850 in ebendieser Zeitschrift, was beiden das Verdikt des Antisemitismus einbrachte.
Wagner widmete dem Freund sein Schriftwerk „Oper und Drama“. Uhlig starb am 3. Januar 1853 in Dresden mit 31 Jahren an Lungentuberkolose. Er hinterließ ein weitgehend unveröffenlichtes Werk, wovon sich 18 Originalkompositionen im Besitz des Kulturhistorischen Museums Wurzen befinden. Während die Wurzener Musikschule 1998 nach dem Musiker und Komponisten benannt wurde, ließ man sein Geburtshaus auf dem Crostigall leider 2003 abreißen.

Im Jahre 2016 erarbeitete Thomas Krakow, damaliger Vorsitzender des Richard-Wagner-Verbandes Leipzig, für die Reihe „Richard Wagner in Mitteldeutschland“ für Müglenz-Thammenhain-Wurzen einen Orts-Flyer, in dem auch Uhlig gewürdigt wird. Der Flyer, wie die gesamte Flyer-Box der Wagner-Orte, ist hier im Angebot.
(Fotos/Reproduktionen: Kulturhistorisches Museum Wurzen)

Fotos: Klaus Weinhold und Barbara Linse

Zu Richard Wagners 139. Todestag: „Bayreuth 2021“ Ehrenmitglied KS Georg Zeppenfeld und Stipendiat Peter Fabig beim RWV Dresden im Gespräch

Der Saal in den Wagner-Stätten Graupa war coronagerecht bis auf den letzten Platz gefüllt und der Nachmittag des 12. Februar 2022 wurde für alle Teilnehmer ein Ereignis. Peter Fabig, Bayreuth-Stipendiat 2021 des Dresdner Wagnerverbandes, bot sein musikalisches „Dankeschön“ für den fünftägigen Aufenthalt in Franken mit den ersten sechs Liedern des „Liederkreis op. 39“ von Robert Schumann dar. In Bayreuth hatte er auch die Gelegenheit, beim Stipendiatenkonzert sein Können unter Beweis zu stellen. Stipendiaten-Beauftragte Barbara Ficker, die bereits charmant in den Nachmittag eingeführt hatte, dirigierte hernach souverän ein Gespräch mit Peter Fabig und dem Ehrenmitglied des Verbandes, KS Georg Zeppenfeld. Das wurde, durchaus erwünscht, zunehmend zu einem Dialog zwischen dem jungen, am Anfang seiner Karriere stehenden Sänger und dem gestandenen und weltweit gefragten Bühnenstar ohne Allüren. Es war kurzweilig, interessant und erstaunlich offen, auch bei coronabedingt systemrelevanten Meinungen. Peter Fabig verließ nach einer Stunde die Veranstaltung in Richtung Döbeln wegen einer Gesangsverpflichtung am Mittelsächsischen Theater. Der Kammersänger allerdings wollte nicht „ungesungen“ seinen Verband verlassen. Die mit Beifall quittierte angekündigte Zugabe begann er mit „Gute Nacht“ aus Franz Schuberts „Winterreise“ so einfühlsam und stimmungsvoll, dass mit spontanen Bravorufen und Beifall gedankt wurde. Zur völligen Überraschung aller sang er noch weitere fünf Lieder aus dem Zyklus. Die Abstimmung und auch die Intonationsdynamik zwischen dem Sänger und der Pianistin war frappierend, als wären sie ein lang eingespieltes Team. Dabei begegneten sich Frau Prof. Natalia Petrowski von der Hochschule für Musik „Carl-Maria von Weber“, die auch schon Fabig begleitet hatte, und der Semperopern- und Bayreuth-Star an dem Tag bei der Vorprobe zum ersten Mal. Zeppenfeld war ebenso angetan von dem Einfühlungsvermögen der Pianistin, wie das Publikum von der ganzen Veranstaltung. Lang anhaltender und stürmischer Beifall beendete eine denkwürdige Veranstaltung beim Richard-Wagner-Verband Dresden.
(Klaus Weinhold/Thomas Krakow)

mehr Bilder Aktuelles 18.02.
Fotos: RWZM

„Am Grabe Richard Wagners“
Zum 139. Todestag des Meisters im Garten von Haus Wahnfried

Kaiserwetter über Bayreuth am 139. Todestag des kleinen Sachsen, der die Welt bis heute musikalisch verzaubert. Kein Wunder, hatte er doch zur ersten wirklichen Einheit Deutschlands, der Gründung des Zweiten Deutschen Kaiserreiches vor 151 Jahren, einen Kaisermarsch (WWV 104) komponiert. Er hatte es sich also verdient.
Sechs Mitglieder unseres Vereins und ein Kind wollten des Meisters gedenken. Die Stadt hatte bereits den wiederverwendbaren abwaschbaren Plaste-Kranz aufgestellt. Damit machte man deutlich, dass der Mann nicht vergessen ist, dem Bayreuth soviel verdankt. Gibt es noch jemanden in der Stadt, der irgend etwas mit Richard Wagner zu tun hat? Am Grab war es nicht sichtbar. Zwei Blumensträuße zeugten von Freunden, Verehrern oder Interessierten. Ein junger Mann, Student aus Bremerhaven, suchte in Gedanken versunken die Stille am Grab. Die kleinen Gesten beeindruckten. Freund und Wagnerkenner Dr. Frank Piontek ordnete als Bayreuther Bürger den Komponisten vor Ort ein und in die unsachgemäßen ahistorischen Forderungen um Namenstilgungen an Straßen und Plätzen in Deutschland. Er tat es wie immer charmant und souverän. Ansonsten lud das Wetter zum Bummel durch die Stadt ein, die voll von Besuchern und Einheimischen war. Zum Abschluss pflichtgemäß noch einmal am Wolfgang-Wagner-Platz ein Blick auf das Festspielhaus. Gemeinsam mit Reisebusinsassen aus Cottbus. Ex oriente lux.

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Oper Leipzig
Foto: Kirsten Nijhof
Katharina Wagner
Foto: RWZM
„Lohengrin besiegt Telramund“
Gemälde von Ferdinand Leeke © RWZM

Kein Wagner mit Wagner am Augustusplatz

Richard Wagners Urenkelin Katharina sagt „Lohengrin“ in Leipzig ab
Nach dem „Tannhäuser“ 2018 nun der „Lohengrin“ 2022. Die künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin der „Richard-Wagner-Festspiele“ im fränkischen Bayreuth sagt auch ihren zweiten Versuch ab, im Haus am Augustusplatz eine Oper Ihres Urgroßvaters Richard Wagner zu inszenieren. Wie die Leipziger Volkszeitung am 5. Februar 2022 berichtete, gab die Oper Leipzig dies am 4. Febraur 2022 bekannt. Danach lässt sich alles auf den kurzen Nenner Corona und Zeitmangel bringen.
Eine Premiere soll es am 23. März d. J. trotzdem geben. Die nur einmal am 2. November 2020 gespielte und auf die damals zulässige Zeit reduzierte Kurzfassung des „Lohengrin“ eines künstlerischen Teams um Patrick Bialdyga von der Leipziger Oper soll zu einer „Hausinszenierung“ weiterentwickelt werden. Man darf gespannt bleiben.
Der Kartenverkauf beginnt am 15. Februar 2022.
Aktuelles Richard-Wagner-Zentrum Mitteldeutschland e.V. Foto: Reiner Zensen
Aktuelles Richard-Wagner-Zentrum Mitteldeutschland e.V.
Aktuelles Richard-Wagner-Zentrum Mitteldeutschland e.V. Foto: Danny Pockrandt

Parlamentsgespräch im Ständehaus zu Merseburg
Herfried Münkler „Marx, Wagner, Nietzsche – Welt im Umbruch“

Wir arbeiten zielstrebig an einem eigenen Programm aus der Mitte Mitteldeutschlands heraus. Wenn die pandemische Lage es zulässt, wird der Auftakt im März 2022 sein.

Unter dem Motto Parlamentsgespräche werden wir im Ständehaus zu Merseburg, dem ehemaligen Provinzialparlament der preußischen Provinz Sachsen, den Autor Herfried Münkler zu Gast haben mit seinem neuen Buch „Marx, Wagner, Nietzsche – Welt im Umbruch“. Münkler ist in der öffentlichen, politischen wie in der gesellschaftlichen Debatte ein gefragter Gesprächspartner. Wir freuen uns, ihn in der Region zu begrüßen, aus der Richard Wagner und Friedrich Nietzsche stammen und wo über vierzig Jahre Marx’sche Lehren zum Gesetz erhoben waren.

Ort: Ständehaus Merseburg, 4. März 2022, 17:00 Uhr, Eintrittspreis: 12,00 Euro

Beschränkte Platzzahl. Verbindliche Kartenbestellung unter: info@richard-wagner-zentrum.de oder 0177 768 6016.

Fotos: RWZM

Erfolgreiche Aktivitäten im Januar

Die Oper Leipzig konnte im Januar das Frühwerk Richard Wagners aufführen, also jene Opern, die nach einem ungeschriebenen Gesetz nicht zum Kanon im Bayreuther Festspielhaus gehören. Einige unserer Mitglieder besuchten am 23. Januar 2022 „Das Liebesverbot – oder die Novize von Palermo“, am 29. Januar 2022 „Rienzi, der Letzte der Tribunen“ und am 30. Januar 2022 Wagners erstes Opernwerk „Die Feen“. Von „Die Feen“ war der Leipziger Student Paul L. aus Heidelberg so angetan, dass er nach der Diskussion mit dem Vorsitzenden Thomas Krakow spontan Mitglied in unserem Verein wurde. Vorausgegangen waren Besuche des Vorsitzenden mit Gästen vom Harz und aus Baden am Gedenkstein für das abgerissene Geburtshaus von Richard Wagners Mutter Johanna Rosina, geborene Pätz, in der Marienstraße in Weißenfels.

Reisemotto, frei nach Fontane
Foto: RWZM
Der Anlass der Reise
Foto: Bernd Uhlig
Neuruppin mit Parzival-Skulptur (rechts)
Foto: RWZM

Reise des Richard-Wagner-Verbandes Wien nach Berlin gerettet Vereinsvorsitzender übernimmt kurzfristig Reiseleitung zum „Herheim-Ring“

Es ging ganz schnell, nachdem der Notruf wegen akuter Erkrankung von Liane Bermann, Vorsitzende des RWV Wien, in Mitteldeutschland durchdrang und unser Vorsitzender Thomas Krakow für diese Verbandsreise als Leiter einsprang. Er führte die Teilnehmer auch stadtplanerisch durch Ost-Berlin und das Regierungsviertel sowie kultur-historisch durch Potsdam und die Fontane-Orte Wuthenow, Neuruppin und Rheinsberg. Gänsehaut gab es am Stechlin-See, hat man Bild und Ton der Verfilmung dieses Fontaneschen Weltabschiedswerks im Jahr 1975 durch den NDR noch im Kopf mit dem unvergleichlichen Arno Assmann in der Hauptrolle. Wer Krakow nimmt, musste dann auch aushalten, dass die ganze Geschichte der Mark Brandenburg, der Hohenzollern und vor allem der Askanier mit abfiel. Denn woher hat Berlin sein Wappentier? Von Albrecht dem Bären aus Bernburg.
Lästig aber notwendig war die tägliche Covid-Test-Prozedur im Testzentrum und deren Kontrolle vor jeder Aufführung in der bis auf den letzten Platz besetzten Deutschen Oper an der Bismarckstraße. Zur Entschädigung gab es Live-Musik eines mitteldeutschen Komponisten vom Feinsten und die Inszenierung der Tetralogie von Stefan Herheim. Die wird in Berlin schon liebevoll „Schiesser-Ring“ genannt, weil es auch eine Werbeshow für diesen Unterwäscheproduzenten sein könnte. Herheim ist in der Lage, große Bilder zu schaffen und ebensolche Gefühle zu erzeugen, um sie danach radikal zu zerstören. Am Ende wischt eine Putzfrau alles weg. Besser so? Jeder sollte sich eine eigene Meinung bilden, denn über Geschmack lässt sich streiten. Aber Krakow wäre nicht Krakow, wäre bei soviel Zeit in der Deutschen Oper nicht auch die Zahl seiner eigenen Vereinsmitglieder gestiegen. Am Ende war Zufriedenheit auf allen Seiten.

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Fotos: Daniel König

Richard-Wagner-Zentrum Mitteldeutschland gedenkt des Todestages von Richard Wagners Mutter Johanna Rosina

Der Todestag von Richard Wagner Mutter, Johanna Rosina Geyer, geborene Pätz, verwitwete Wagner, jährte sich am 9. Januar 2022 zum 174. Mal. Sie starb in Leipzig und wurde auf dem Johannisfriedhof beigesetzt. Unser Verein gedachte ihr mit einem Blumengruß. Der 1910 aufgestellte Grabstein für sie und ihre Tochter Rosalie Marbach war bis 1937 die einzige größere Erinnerungsstätte an Richard Wagner, da das Denkmal von Max Klinger gescheitert war.
Wir fühlen uns der Erinnerung an Richard Wagner und seine Familie an allen relevanten Orten in Mitteldeutschland verpflichtet. Wer mehr über die wagnerschen oder wagnernahen Grabstellen auf dem heutigen musealen Parkfriedhof in Leipzig erfahren möchte, dem empfehlen wir das Buch von Ursula Oehme „Die Ruhestätten der Familie Wagner auf dem Alten Johannisfriedhof zu Leipzig“, das bei uns erhältlich ist.

Aktuelles Richard-Wagner-Zentrum Mitteldeutschland e.V. In Loriots rotem Sessel
Jan-Josef Liefers
Aktuelles Richard-Wagner-Zentrum Mitteldeutschland e.V. Mit langem Dank bedacht
Solisten, Orchester
Aktuelles Richard-Wagner-Zentrum Mitteldeutschland e.V. Überzeugende Solisten – Miina-Liisa Värelä (Brünnhilde), Thomas Mohr (Siegmund/Siegfried)

Wagner für alle: „Der Ring an einem Abend“ in Weimar
Das Deutsche Nationaltheater bietet Wagner von Loriot

War das ein Abend am 17. Dezember in Weimar.  Die Wagner-feste Staatskapelle Weimar unter der Stabführung von Heiko Mathias Förster, Solisten, deren Stimmen mit jedem Ton den Meister klingen ließen und ein kulturhungriges Publikum. Und natürlich Jan-Josef Liefers. Der ist nicht Loriot. Doch als er am Beginn der Handlung „Das Rheingold“ und sein Personal erläuterte, reichte ein, nein, sein Artikulieren des Namens Alberich, um eine emotionale Aufwallung beim Publikum auzulösen, die klar machte, dass Prof. Karl-Friedrich Börne, fernsehbekannter Gerichtsmediziner aus dem „Tatort Münster“ hier süffisant erklärt, zuspitzt, überspitzt. Die unausgesprochene Übereinkunft sagte, es ist sein Abend. Doch die Grenzen sind fließend. Alle gehen in Wagners Werk auf. Nicht nur die Künstler und das beflissen lechzende Kulturbürgertum, auch die auffallend vielen Musikstudenten der Hochschule „Franz Liszt“, die während der Pause das eine oder andere Stück anstimmten. Der ganze Abend war ein Fest für die Sinne. Und damit möglichst viele Menschen daran teilnehmen konnten, fand es in der geräumigen Weimarhalle statt.
Es war die erste Gelegenheit, uns mit unseren druckfrischen Mitteldeutschen Richard-Wagner-Nachrichten und Flyern bekannt zu machen . Das Publikum hat sie uns förmlich aus den Händen gerissen. Vielen Dank den Mitarbeitern vom Besucherdienst des DNT für die Unterstützung.
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Aktuelles Richard-Wagner-Zentrum Mitteldeutschland e.V. Wagner Heft 1/2021

Ob anlaog oder online – wir präsentieren uns

An allen Ecken und Enden wird geklagt, was Corona alles verhindert. Selbst das Pflegen oder Aktualisieren von Internetseiten scheint in Zeiten von „Heimarbeit“ oder „Wohnbüro“ nicht möglich zu sein. Dem wollen wir etwas entgegensetzen. Unsere Energie werden wir nicht verschwenden für das Suchen von Gründen, warum etwas nicht geht, sondern nach Möglichkeiten und Wegen, wie es doch gehen kann. Deshalb wurde am 30. Mai 2021 unser Richard-Wagner-Zentrum Mitteldeutschland gegründet.
Danach begann die Aufbauarbeit – wie immer ehrenamtlich, in der Freizeit, mit viel Engagement und manchen Steinen im Weg, die es wegzuräumen galt und gilt. Sysiphos wird
man hier aber nicht am Werk sehen, denn wir haben uns geschworen, nur so lange am Werk zu sein, wie es Spaß macht. Und klar ist auch – Richard Wagner steht im Mitttelpunkt. Trotzdem sind wir kein Richard-Wagner-Verband. Nicht nur in Mitteldeutschland werden die in der Fläche unauffälliger. Deshalb sehen wir uns als sinnvolle Ergänzung.
Wir können aber nur wirklich aktuell, informativ und unterhalsam sein, wenn uns unsere Mitglieder und die interessierte Öffentlichkeit dabei unterstützen. Geben Sie uns bitte Rückmeldungen, was wir besser, oder richtiger machen können. Davon lebt ein Verein. Wir freuen uns darauf.

Wagner Heft 1/2021