Archiv Aktuelles

Was für ein Abend
RICHARD WAGNERS "Die Feen" in der Oper Leipzig

Da saß die Aufregung mit ihm Haus, wenn Erkrankungen oder Quarantäne einen Auftakt beeinträchtigen. Doch es lief wie geschmiert, wurde gefeiert und natürlich auch bemeckert. Aber warum?
Das war ein Auftakt nach Maß im Leipziger Haus am Augustusplatz. Drei Hauptprotagonisten fielen krankheitsbedingt aus. Und? Es wurde gespielt!
Die größte Hochachtung verdient Marc Horus für die kurzfristige Übernahme der mörderischen Rolle des Arindal vom erkrankten Ray Cornelius Smith. (Wagner war unerfahren und rücksichtslos gegenüber dem Sänger.) Sichtlich angestrengt hat er sie dennoch gemeistert und damit den Abend gerettet. Was wäre die Alternative gewesen? Ausfall?
Matthias Foremny für Christoph Gedschold? Nicht der Rede wert. Der Mann ist Vollprofi und hat schon viel Gold aus dem Graben fließen lassen. Er hat zuverlässig geliefert, was man von ihm erwarten durfte.
Und Kirstin Sharpin für Liene Kinca? Es war Kirstin Sharpins Abend. Sie hat ihn genutzt. Diese Frau war längst aufgefallen als Isolde in Nordhausen (unser Heft 1-2021), als Solistin im 7. Symphonischen Konzert der Rudolstädter Sinfoniker in Saalfeld und danach im Festprogramm im Markgräflichen Opernhaus Bayreuth anlässlich des 150. Jahrestages der Grundsteinlegung für das dortige Festspielhaus durch einen Leipziger namens R. W. (unser Sonderheft Wagner 22). In Leipzig kam man nicht umhin, an Christine Libor zu denken, die diese Rolle seit 2013 stimmlich und visuell prägte. Eine Libor ist die Sharpin noch nicht. Aber auf dem besten Weg dorthin. Schließlich bekam auch sie Szenenapplaus für ihre Interpretation der Arie der Ada! Wie die Libor jedesmal …! Eine Glanzleistung derer in der Oper Leipzig, die diesen Abend möglich machen mussten und es auch taten. Was sonst? Thomas Krakow

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Barbara Hoene – Eine Kammersängerin auf Abwegen?
EIN SOMMERABEND IM WAGNERDORF POSSENDORF

Unsicher war das schon, denn die Frage „Wo liegt das eigentlich?“ kam mehr als einmal. Auch die Kammersängerin war noch niemals dort. Und natürlich war passend zur Situation auch die direkte Straße von Dresden oder der A17 gesperrt. Aber wo ein Wille ist, „die Hoene“ zu erleben, da ist auch ein Weg. Und den fanden rund 70 Besucher einer Veranstaltung, wie sie öfter einmal stattfinden könnte. Thomas Krakow hatte für das „Richard-Wagner-Zentrum Mitteldeutschland“ eingeladen und war gewarnt worden, dass diese Grand Dame der Dresdner Semperoper nicht auf den Mund gefallen sei. Logisch, Stimme und Mund sind ihr Hauptarbeitsinstrument. Vor allem musste er aber sein Mikrofon festhalten, das die Dame ihm schnell einmal entriss, wenn ein Gedankenblitz dem Publikum nicht vorenthalten werden sollte. Und so wurde es ein unterhaltsamer, amüsanter Spätnachmittag an diesem 11. Juni 2022, begleitet von Ex-Gewandhausorganist Matthias Eisenberg, der zur

Sigfrid Karg-Elert
Richard-Wagner-Album
18 Konzertbearbeitungen für Orgel
Tannhäuser
Einzug der Gäste auf der Wartburg
Nr. 4

Franz Liszt
Präludium zur Kantate
„Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“
bearbeitet von Alexander Winterberger

Sigfrid-Karg-Elert
Richard-Wagner Album
18 Konzertbearbeitungen für Orgel
Meistersinger
Festmusik aus den Meistersingern
Nr. 8

Bürgermeister Wersing dankte für die Initiative aus Weißenfels und unser Zentrum kann zurückblicken auf eine perfekt gelungene Kooperation mit dem Richard-Wagner-Verband Dresden und der Kirchgemeinde Possendorf.
Das soll nicht das letzte Mal gewesen sein.

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FASZINATION WAGNER ZUM 209. GEBURTSTAG

Vortrag in Leipzig, Reise durchs Wagnerland und Parlamentsgespräch extra in Magdeburg

Nein, rund war dieser Geburtstag am 22. Mai 2022 nicht. Und trotzdem bot unser Zentrum am 18. Mai 2022 einen Vortrag ganz nah am Geburtsort des Meisters, dort, wo sich einige der Punkte im von Thomas Krakow erdachten Stadtplan „WagnerWege in Leipzig“ drängen, den er als frisch gebackener Vorsitzender des Richard-Wagner-Verbandes Leipzig 2008 erstmals herausgab. Salles de Pologne hieß der Veranstaltungsort in der Hainstraße 16, dort, wo sich 1834 die Redaktion der „Zeitung für die elegante Welt“ befand. Wagner schrieb selbst in ihr oder ließ eigene Werke besprechen, als Heinrich Laube, Autor des Buches „Das junge Europa“, der Chef war. Prof. Chris Walton aus Solothurn (CH) hielt einen Vortrag zur Oper „Das Liebesverbot oder die Novize von Palermo“ unter dem Titel „Im siebenten Himmel? Minna und Richard Wagner: Süße Not. Liebesverbot. Ehegebot.“ und stellte sie dabei in den Kontext von Wagners persönlicher Situation und dessen eigene Rezeption. Die von den Jungdeutschen um Heinrich Laube u.a. propagierte „freie Liebe“, nicht nur vom jungen Wagner begierig antizipiert, fand in dem Werk durchaus ihre Entsprechung, denn eigentlich hätte die Oper auch „Das Sexverbot“ heißen können. Undenkbar in einer Zeit, in der schon „Das Liebesverbot“ mit einem Untertitel abgemildert werden musste. Zahlreiche Besucher (teilweise aus Berlin und Dresden angereist) wurden zum Abschluss auf der Dachterrasse des Veranstaltungsortes mit einem traumhaften Blick über Leipzigs Innenstadt belohnt.
Der Referent begab sich derweil mit Vereinsvorsitzendem Thomas Krakow auf Wagner-Tour zum Uraufführungsort der Oper nach Magdeburg. In Weißenfels traf Walton den designierten Oberbürgermeister Martin Papke am Gedenkstein für das Geburtshaus von Wagners Mutter Johanne Rosine Pätz. Er stand am Grab von Novalis und entdeckte das Heinrich-Schütz-Haus. In Merseburg zeigte ihm Krakow den 1000jährigen Kaiserdom und den eigentlichen Ort der Parlamentsgespräche, das Ständehaus der ehemaligen preußischen Provinz Sachsen. In Bad Lauchstädt, Wagners erstem festen Arbeitsort mit der Bethmannschen Theatertruppe aus Magdeburg beeindruckten die historischen Kuranlagen und das Goethetheater, zu dem ihnen unkonventionell die Tür aufgetan wurde. Kopfschütteln und Fotos für die Wagner-Freunde weltweit provozierte am Wohnhaus von Richard Wagner und Minna Planer ein Verkehrsschild, das seit Kurzem die historischen Info-Tafel am Haus verstellt und somit Fotografieren problematisch macht. Wahrlich ein Schildbürgerstreich.
In Magdeburg schließlich hatten der lokale Richard-Wagner-Verband und der Förderkreis des Theaters Magdeburg dazu beigetragen, dass am 19. Mai Prof. Waltons Vortrag als Parlamentsgespräch extra am Landtag unter der Schirmherrschaft des Landtagspräsidenten stattfinden konnte. Dafür standen auch die anwesenden Landtagsabgeordneten Elke Simon-Kuch (Weißenfels), Sven Czekalla (Merseburg) und Stephen G. Stehli (Magdeburg-Nord). Bis aus dem Harz waren die Gäste angereist und machten den Abend im Café des Klosters Unser Lieben Frauen neben dem Landtag, Schnittpunkt von Nord- und Südroute der Straße der Romanik, zum temporären Wagner-Zentrum. Neben den Genannten sei hier Martin Papke aus Weißenfels, Sven Czekalla aus Merseburg, den Salles des Pologne in Leipzig und der Easygastro GmbH des Klostertheaters herzlich für Unterstützung und entgegenkommen gedankt. Nicht zu vergessen Michael Ranft und Ralf-Rainer Hoffmann als Fotografen und den hilfreichen Vereinsmitgliedern Martina Mangels, Peter Richter und Thorsten Gras.

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Fotos: Wolfgang Kubak
Schnuppern am Büchertisch
Merseburgs Bürgermeister Bellay Gatzlaff heißt willkommen

Herfried Münkler mit „Marx-Wagner-Nietzsche.
Welt im Umbruch“ in Merseburg

1. Parlamentsgespräch am 4. März 2022 im Ständehaus war voller Erfolg

Das konnte Vorsitzender Thomas Krakow nicht ahnen, was sich seit zwei Wochen in Osteuropa abspielt und dass er mit Prof. Herfried Münkler genau dazu einen Experten eingeladen hatte, der Mitglieder der Bundesregierung berät und täglich auf wechselnden Kanälen die großen Zusammenhänge erklärt. Aber Radiomoderator Axel Thielmann ergriff professionell beide Fäden und setzte das Momentane mit „Marx-Wagner-Nietzsche“ unter dessen Untertitel „Welt im Umbruch“, um dann diese Welt im Umbruch des 19. Jahrhunderts an drei ihrer außergewöhnlichsten Protagonisten jener Zeit zu exemplifizieren. Bürgermeister Gatzlaff hatte begrüßt und brachte mit CDU-Landtagsabgeordnetem Sven Czekalla zum Ausdruck, dass die Politik sich durchaus bewusst war, wie hochkarätig da verhandelt wurde. Wer nicht dabei war, hat eine der Sternstunden publizistischer Kommunikation verpasst, wie man sie selten erlebt und bei der ein Moderator exzellente Fragen stellt, die dem Autor und Referenten offensichtlich schmeichelten. Der ließ sich aber nicht dazu verführen zu dozieren, sondern behielt das Publikum immer auf Augenhöhe. Das war aus ganz Deutschland angereist, war begeistert, belagerte den Referenten und den Büchertisch und votierte mit den Organisatoren: Es war ein voller Erfolg, das 1. Parlamentsgespräch im Ständehaus zu Merseburg.
Die aus der Ferne aber auch Teilnehmer aus der Region genossen am Folgetag die wie immer professionelle und sachkundige Führung von Beate Tippelt durch die 1000-jährige wechselvolle Geschichte des Merseburger Kaiserdoms.

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Thomas Krakow auf Wagners Spuren: Nordbayerischer Kurier zum neugegründeten Richard-Wagner-Zentrum Mitteldeutschland

Ein Besuch von Vereinsmitgliedern zum 139. Todestag Richard Wagners an dessen Grab im Garten der Villa Wahnfried in Bayreuth hatte Folgen. Kulturredakteur Roman Kocholl interviewte einen für Bayreuth alten Bekannten und berichtet somit für die dortige Leserschaft über unser neues Richard-Wagner-Zentrum Mitteldeutschland.

zum Beitrag des Nordbayrischen Kuriers
Szene aus dem 2. Akt mit Solisten, Chor und Statisten
Alexander Schulz (Tristan) und Kirstin Sharpin (Isolde) im 1. Akt
Isoldes Schlussgesang mit Kirstin Sharpin

Radikale Reduktion

Am 29. Januar 2022 hatte am Theater Nordhausen im Norden Thüringens Richard Wagners Oper „Tristan und Isolde“ in der Regie von Ivan Alboresi Premiere. Monika Beer, Vorsitzende des Richard-Wagner-Verbandes Bamberg, stellte uns ihren Bericht zur Verfügung.

Als erstes fiel mir Ralph Bollmanns Theaterrundreise „Walküre in Detmold“ ein, als ich von der „Tristan“-Produktion in Nordhausen erfuhr. Wagner in einem Haus, das keine 500 Zuschauer fasst (und zur Premiere nur vierzig Prozent reinlassen durfte)? Mit einem Orchester, das gerade mal 50 Musiker zählt, dazu jede Menge Debütanten auf, vor und hinter der Bühne? Ist das nicht ein aberwitziger Plan? Ist es. Trotzdem hat es funktioniert, und zwar mehr als beachtlich, ja zum Teil begeisternd.

Was gute Gründe hat, denn erstens eignet sich kein wagnerisches Musikdrama mehr zum intimen Kammerspiel als eben „Tristan und Isolde“. Und zweitens steht in Nordhausen Michael Helmrath am Pult, von Herbst 2016 bis Sommer 2021 Generalmusikdirektor des Theaters und des dazugehörigen Loh-Orchesters Sondershausen. Dem Dirigenten war bei der wegen Corona verschobenen Premiere nirgends anzumerken, dass das auch für ihn der erste komplette „Tristan“ war. Vielmehr war zu hören, dass da einer nicht nur die Partitur gut kennt – und, vor allem was die Tempi betrifft, die von Felix Mottl überlieferten Angaben Wagners –, sondern auch seine Instrumentalisten. Der frühere Solo-Oboist der Münchner Philharmoniker und langjährige Chef der Brandenburger Symphoniker weiß seine Musiker für diese außerordentliche Aufgabe zu motivieren und hat keine Angst davor, wenn die Streicherbesetzung noch deutlich unter dem liegt, was als Mindeststandard gilt. Natürlich ist ein derart dünner Streicherklang zuweilen grenzwertig, aber indem Helmrath entsprechende dynamische Retuschen vornimmt, damit insgesamt die Balance wieder stimmt, ist es ein zuweilen kammermusikalischer, aber dennoch ein veritabler Wagnerklang.

Das kommt vor allem den Solisten zugute, bis auf zwei Ausnahmen Rollendebütanten. Der Star des Abends ist Kirstin Sharpin als Isolde. Die aus Neuseeland stammende Sopranistin und Gewinnerin des Wagnerstimmenwettbewerbs 2015 in Karlsruhe rechtfertigt diesen Preis mir einer wunderbar klaren, sicheren, wortverständlichen und geschmeidigen, an den richtigen Stellen auch strahlkräftigen Stimme. Sie weiß und versteht, was sie singt, auch in ihrer Mimik und Körpersprache wirkt alles natürlich. Schade, dass Alexander Schulz als Tristan nicht über diese sängerdarstellerische Präsenz verfügt. Zwar lässt er vor allem im 3. Akt heldentenoral aufhorchen, doch vermag er sein stimmliches Potenzial nicht durchgängig und ausgeglichen einzusetzen. Als bestes Ensemblemitglied reüssiert Thomas Kohl als nur in den höchsten Tönen nicht souveräner König Marke, auch die weiteren Partien sind spielfreudig und gut besetzt. Dazu der von Markus Fischer einstudierte Herren- und Extrachor des Hauses sowie einige Statisten.

Ivan Alboresi, Ballettdirektor des Hauses, hat erstmals eine Oper inszeniert – noch ein gelungenes Debüt! In einer drastisch reduzierten Ästhetik mit einigen regietheatermodischen Einsprengseln versucht er, „die pure Essenz der Emotionen“ der Titelprotagonisten und der sie umkreisenden Figuren freizulegen. Die abstrakte Bühne von Wolfgang Kurima Rauschning besteht aus einem mehrfach gestaffelten, wandelbaren Plafond und einer drehbaren großen Schräge, die in allen drei Akten mit je unterschiedlichem Material belegt ist und von der im letzten Akt nur noch Bruchstücke vorhanden sind. Einige stimmige Projektionen und farbiges Licht genügen, um dem Publikum den Freiraum für passende Assoziationen zu geben. Die heutigen Kostüme von Dietrich von Grebmer setzen in der immer wieder surreal wirkenden und hin und wieder von Choristen und Statisten belebten Szenerie auch farbige Akzente. Wer wie von ungefähr ein bisschen an Neubayreuth denkt, liegt nicht falsch. Die Figuren bewegen sich teilweise wie Skulpturen im Raum, sind aber gleichzeitig sehr menschlich in ihrem Gefühlschaos. Auch wenn viel an der Rampe gesungen wird, ist das nur mit einer Ausnahme Rampensingen. Vielmehr intensiviert die gegebene Nähe den Ausdruck der Sängerinnen und Sänger, transportiert das, was die handelnden Personen in ihrem Innersten bewegt.

Ein Sonderlob gebührt den zuschauerfreundlich großen Übertiteln, unbedingt zu tadeln bleibt die unorthodoxe Vorhangregie, die der Titelprotagonistin und dem Publikum den ersten befreienden Applaus nicht gönnt und stattdessen zunächst die Statisten auf die Bühne schickt. Schade, dass keiner dem Operndebütanten Alboresi davon abgeraten hat. Denn damit wird den Hauptsolisten und dem gleichermaßen aufgewühlten Publikum im Saal verweigert, genau das zu empfangen beziehungsweise auszudrücken, worum es doch dreieinhalb Stunden lang gegangen ist: jede Menge Emotionen.

Fotos: Julia Lowres

Einzige bekannte Abbildung von Theodor Uhlig
Theodor Uhlig, Quartett Nr. 2, 1841
Geburtshaus (mit Tafel) in Wurzen 1991

Zum 200. Geburtstag von Theodor Uhlig aus Wurzen
Wagners Freund aus dem Muldental

Am 15. Mai 1822 wurde Gottlob Sigismund Theodor Uhlig in Wurzen geboren. Die Stadt an der Mulde, in der sich das Bistum Meißen in Reformationszeiten vollendete, besitzt mit der Kirche St. Marien quasi einen Dom, direkt neben dem beeindruckenden innerstädtischen Renaissanceschloss. Uhligs Vater war Hornist beim lokalen Jägerbataillon, was der Vollwaise, die Uhlig bereits mit acht Jahre war, die Unterbringung in einem Militärwaisenhaus bei Pirna bescherte. Schnell wurde er als musikalisches Wunderkind erkannt und von Sachsens König Anton und dessen Nachfolger Friedrich August II. gefördert. Nach erfolgreichem Musikstudium in Dessau wurde er Geiger in der Sächsischen Hofkapelle und lernte Richard Wagner kennen. Die Freundschaft hielt bis in Wagners Exil in der Schweiz, wo Uhlig ihn mehrfach in Zürich besuchte. Der Briefwechsel zwischen beiden war intensiv und wird gern als historisch bezeichnet. Uhlig, ganz Kind seiner Zeit, veröffentlichte in der in Leipzig erscheinenden „Neuen Zeitschrift für Musik“ am 23. Juli 1850 den Artikel „Zeitgemäße Betrachtungen“, in dem er sich zu jüdischen Komponisten und deren Werken äußert. Ähnliches findet sich dann in Wagners Artikel vom 3. September 1850 in ebendieser Zeitschrift, was beiden das Verdikt des Antisemitismus einbrachte.
Wagner widmete dem Freund sein Schriftwerk „Oper und Drama“. Uhlig starb am 3. Januar 1853 in Dresden mit 31 Jahren an Lungentuberkolose. Er hinterließ ein weitgehend unveröffenlichtes Werk, wovon sich 18 Originalkompositionen im Besitz des Kulturhistorischen Museums Wurzen befinden. Während die Wurzener Musikschule 1998 nach dem Musiker und Komponisten benannt wurde, ließ man sein Geburtshaus auf dem Crostigall leider 2003 abreißen.

Im Jahre 2016 erarbeitete Thomas Krakow, damaliger Vorsitzender des Richard-Wagner-Verbandes Leipzig, für die Reihe „Richard Wagner in Mitteldeutschland“ für Müglenz-Thammenhain-Wurzen einen Orts-Flyer, in dem auch Uhlig gewürdigt wird. Der Flyer, wie die gesamte Flyer-Box der Wagner-Orte, ist hier im Angebot.
(Fotos/Reproduktionen: Kulturhistorisches Museum Wurzen)

Fotos: Klaus Weinhold und Barbara Linse

Zu Richard Wagners 139. Todestag: „Bayreuth 2021“ Ehrenmitglied KS Georg Zeppenfeld und Stipendiat Peter Fabig beim RWV Dresden im Gespräch

Der Saal in den Wagner-Stätten Graupa war coronagerecht bis auf den letzten Platz gefüllt und der Nachmittag des 12. Februar 2022 wurde für alle Teilnehmer ein Ereignis. Peter Fabig, Bayreuth-Stipendiat 2021 des Dresdner Wagnerverbandes, bot sein musikalisches „Dankeschön“ für den fünftägigen Aufenthalt in Franken mit den ersten sechs Liedern des „Liederkreis op. 39“ von Robert Schumann dar. In Bayreuth hatte er auch die Gelegenheit, beim Stipendiatenkonzert sein Können unter Beweis zu stellen. Stipendiaten-Beauftragte Barbara Ficker, die bereits charmant in den Nachmittag eingeführt hatte, dirigierte hernach souverän ein Gespräch mit Peter Fabig und dem Ehrenmitglied des Verbandes, KS Georg Zeppenfeld. Das wurde, durchaus erwünscht, zunehmend zu einem Dialog zwischen dem jungen, am Anfang seiner Karriere stehenden Sänger und dem gestandenen und weltweit gefragten Bühnenstar ohne Allüren. Es war kurzweilig, interessant und erstaunlich offen, auch bei coronabedingt systemrelevanten Meinungen. Peter Fabig verließ nach einer Stunde die Veranstaltung in Richtung Döbeln wegen einer Gesangsverpflichtung am Mittelsächsischen Theater. Der Kammersänger allerdings wollte nicht „ungesungen“ seinen Verband verlassen. Die mit Beifall quittierte angekündigte Zugabe begann er mit „Gute Nacht“ aus Franz Schuberts „Winterreise“ so einfühlsam und stimmungsvoll, dass mit spontanen Bravorufen und Beifall gedankt wurde. Zur völligen Überraschung aller sang er noch weitere fünf Lieder aus dem Zyklus. Die Abstimmung und auch die Intonationsdynamik zwischen dem Sänger und der Pianistin war frappierend, als wären sie ein lang eingespieltes Team. Dabei begegneten sich Frau Prof. Natalia Petrowski von der Hochschule für Musik „Carl-Maria von Weber“, die auch schon Fabig begleitet hatte, und der Semperopern- und Bayreuth-Star an dem Tag bei der Vorprobe zum ersten Mal. Zeppenfeld war ebenso angetan von dem Einfühlungsvermögen der Pianistin, wie das Publikum von der ganzen Veranstaltung. Lang anhaltender und stürmischer Beifall beendete eine denkwürdige Veranstaltung beim Richard-Wagner-Verband Dresden.
(Klaus Weinhold/Thomas Krakow)

mehr Bilder Aktuelles 18.02.
Fotos: RWZM

„Am Grabe Richard Wagners“
Zum 139. Todestag des Meisters im Garten von Haus Wahnfried

Kaiserwetter über Bayreuth am 139. Todestag des kleinen Sachsen, der die Welt bis heute musikalisch verzaubert. Kein Wunder, hatte er doch zur ersten wirklichen Einheit Deutschlands, der Gründung des Zweiten Deutschen Kaiserreiches vor 151 Jahren, einen Kaisermarsch (WWV 104) komponiert. Er hatte es sich also verdient.
Sechs Mitglieder unseres Vereins und ein Kind wollten des Meisters gedenken. Die Stadt hatte bereits den wiederverwendbaren abwaschbaren Plaste-Kranz aufgestellt. Damit machte man deutlich, dass der Mann nicht vergessen ist, dem Bayreuth soviel verdankt. Gibt es noch jemanden in der Stadt, der irgend etwas mit Richard Wagner zu tun hat? Am Grab war es nicht sichtbar. Zwei Blumensträuße zeugten von Freunden, Verehrern oder Interessierten. Ein junger Mann, Student aus Bremerhaven, suchte in Gedanken versunken die Stille am Grab. Die kleinen Gesten beeindruckten. Freund und Wagnerkenner Dr. Frank Piontek ordnete als Bayreuther Bürger den Komponisten vor Ort ein und in die unsachgemäßen ahistorischen Forderungen um Namenstilgungen an Straßen und Plätzen in Deutschland. Er tat es wie immer charmant und souverän. Ansonsten lud das Wetter zum Bummel durch die Stadt ein, die voll von Besuchern und Einheimischen war. Zum Abschluss pflichtgemäß noch einmal am Wolfgang-Wagner-Platz ein Blick auf das Festspielhaus. Gemeinsam mit Reisebusinsassen aus Cottbus. Ex oriente lux.

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Oper Leipzig
Foto: Kirsten Nijhof
Katharina Wagner
Foto: RWZM
„Lohengrin besiegt Telramund“
Gemälde von Ferdinand Leeke © RWZM

Kein Wagner mit Wagner am Augustusplatz

Richard Wagners Urenkelin Katharina sagt „Lohengrin“ in Leipzig ab
Nach dem „Tannhäuser“ 2018 nun der „Lohengrin“ 2022. Die künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin der „Richard-Wagner-Festspiele“ im fränkischen Bayreuth sagt auch ihren zweiten Versuch ab, im Haus am Augustusplatz eine Oper Ihres Urgroßvaters Richard Wagner zu inszenieren. Wie die Leipziger Volkszeitung am 5. Februar 2022 berichtete, gab die Oper Leipzig dies am 4. Febraur 2022 bekannt. Danach lässt sich alles auf den kurzen Nenner Corona und Zeitmangel bringen.
Eine Premiere soll es am 23. März d. J. trotzdem geben. Die nur einmal am 2. November 2020 gespielte und auf die damals zulässige Zeit reduzierte Kurzfassung des „Lohengrin“ eines künstlerischen Teams um Patrick Bialdyga von der Leipziger Oper soll zu einer „Hausinszenierung“ weiterentwickelt werden. Man darf gespannt bleiben.
Der Kartenverkauf beginnt am 15. Februar 2022.
Aktuelles Richard-Wagner-Zentrum Mitteldeutschland e.V. Foto: Reiner Zensen
Aktuelles Richard-Wagner-Zentrum Mitteldeutschland e.V.
Aktuelles Richard-Wagner-Zentrum Mitteldeutschland e.V. Foto: Danny Pockrandt

Parlamentsgespräch im Ständehaus zu Merseburg
Herfried Münkler „Marx, Wagner, Nietzsche – Welt im Umbruch“

Wir arbeiten zielstrebig an einem eigenen Programm aus der Mitte Mitteldeutschlands heraus. Wenn die pandemische Lage es zulässt, wird der Auftakt im März 2022 sein.

Unter dem Motto Parlamentsgespräche werden wir im Ständehaus zu Merseburg, dem ehemaligen Provinzialparlament der preußischen Provinz Sachsen, den Autor Herfried Münkler zu Gast haben mit seinem neuen Buch „Marx, Wagner, Nietzsche – Welt im Umbruch“. Münkler ist in der öffentlichen, politischen wie in der gesellschaftlichen Debatte ein gefragter Gesprächspartner. Wir freuen uns, ihn in der Region zu begrüßen, aus der Richard Wagner und Friedrich Nietzsche stammen und wo über vierzig Jahre Marx’sche Lehren zum Gesetz erhoben waren.

Ort: Ständehaus Merseburg, 4. März 2022, 17:00 Uhr, Eintrittspreis: 12,00 Euro

Beschränkte Platzzahl. Verbindliche Kartenbestellung unter: info@richard-wagner-zentrum.de oder 0177 768 6016.

Fotos: RWZM

Erfolgreiche Aktivitäten im Januar

Die Oper Leipzig konnte im Januar das Frühwerk Richard Wagners aufführen, also jene Opern, die nach einem ungeschriebenen Gesetz nicht zum Kanon im Bayreuther Festspielhaus gehören. Einige unserer Mitglieder besuchten am 23. Januar 2022 „Das Liebesverbot – oder die Novize von Palermo“, am 29. Januar 2022 „Rienzi, der Letzte der Tribunen“ und am 30. Januar 2022 Wagners erstes Opernwerk „Die Feen“. Von „Die Feen“ war der Leipziger Student Paul L. aus Heidelberg so angetan, dass er nach der Diskussion mit dem Vorsitzenden Thomas Krakow spontan Mitglied in unserem Verein wurde. Vorausgegangen waren Besuche des Vorsitzenden mit Gästen vom Harz und aus Baden am Gedenkstein für das abgerissene Geburtshaus von Richard Wagners Mutter Johanna Rosina, geborene Pätz, in der Marienstraße in Weißenfels.

Reisemotto, frei nach Fontane
Foto: RWZM
Der Anlass der Reise
Foto: Bernd Uhlig
Neuruppin mit Parzival-Skulptur (rechts)
Foto: RWZM

Reise des Richard-Wagner-Verbandes Wien nach Berlin gerettet Vereinsvorsitzender übernimmt kurzfristig Reiseleitung zum „Herheim-Ring“

Es ging ganz schnell, nachdem der Notruf wegen akuter Erkrankung von Liane Bermann, Vorsitzende des RWV Wien, in Mitteldeutschland durchdrang und unser Vorsitzender Thomas Krakow für diese Verbandsreise als Leiter einsprang. Er führte die Teilnehmer auch stadtplanerisch durch Ost-Berlin und das Regierungsviertel sowie kultur-historisch durch Potsdam und die Fontane-Orte Wuthenow, Neuruppin und Rheinsberg. Gänsehaut gab es am Stechlin-See, hat man Bild und Ton der Verfilmung dieses Fontaneschen Weltabschiedswerks im Jahr 1975 durch den NDR noch im Kopf mit dem unvergleichlichen Arno Assmann in der Hauptrolle. Wer Krakow nimmt, musste dann auch aushalten, dass die ganze Geschichte der Mark Brandenburg, der Hohenzollern und vor allem der Askanier mit abfiel. Denn woher hat Berlin sein Wappentier? Von Albrecht dem Bären aus Bernburg.
Lästig aber notwendig war die tägliche Covid-Test-Prozedur im Testzentrum und deren Kontrolle vor jeder Aufführung in der bis auf den letzten Platz besetzten Deutschen Oper an der Bismarckstraße. Zur Entschädigung gab es Live-Musik eines mitteldeutschen Komponisten vom Feinsten und die Inszenierung der Tetralogie von Stefan Herheim. Die wird in Berlin schon liebevoll „Schiesser-Ring“ genannt, weil es auch eine Werbeshow für diesen Unterwäscheproduzenten sein könnte. Herheim ist in der Lage, große Bilder zu schaffen und ebensolche Gefühle zu erzeugen, um sie danach radikal zu zerstören. Am Ende wischt eine Putzfrau alles weg. Besser so? Jeder sollte sich eine eigene Meinung bilden, denn über Geschmack lässt sich streiten. Aber Krakow wäre nicht Krakow, wäre bei soviel Zeit in der Deutschen Oper nicht auch die Zahl seiner eigenen Vereinsmitglieder gestiegen. Am Ende war Zufriedenheit auf allen Seiten.

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Fotos: Daniel König

Richard-Wagner-Zentrum Mitteldeutschland gedenkt des Todestages von Richard Wagners Mutter Johanna Rosina

Der Todestag von Richard Wagner Mutter, Johanna Rosina Geyer, geborene Pätz, verwitwete Wagner, jährte sich am 9. Januar 2022 zum 174. Mal. Sie starb in Leipzig und wurde auf dem Johannisfriedhof beigesetzt. Unser Verein gedachte ihr mit einem Blumengruß. Der 1910 aufgestellte Grabstein für sie und ihre Tochter Rosalie Marbach war bis 1937 die einzige größere Erinnerungsstätte an Richard Wagner, da das Denkmal von Max Klinger gescheitert war.
Wir fühlen uns der Erinnerung an Richard Wagner und seine Familie an allen relevanten Orten in Mitteldeutschland verpflichtet. Wer mehr über die wagnerschen oder wagnernahen Grabstellen auf dem heutigen musealen Parkfriedhof in Leipzig erfahren möchte, dem empfehlen wir das Buch von Ursula Oehme „Die Ruhestätten der Familie Wagner auf dem Alten Johannisfriedhof zu Leipzig“, das bei uns erhältlich ist.

Aktuelles Richard-Wagner-Zentrum Mitteldeutschland e.V. In Loriots rotem Sessel
Jan-Josef Liefers
Aktuelles Richard-Wagner-Zentrum Mitteldeutschland e.V. Mit langem Dank bedacht
Solisten, Orchester
Aktuelles Richard-Wagner-Zentrum Mitteldeutschland e.V. Überzeugende Solisten – Miina-Liisa Värelä (Brünnhilde), Thomas Mohr (Siegmund/Siegfried)

Wagner für alle: „Der Ring an einem Abend“ in Weimar
Das Deutsche Nationaltheater bietet Wagner von Loriot

War das ein Abend am 17. Dezember in Weimar.  Die Wagner-feste Staatskapelle Weimar unter der Stabführung von Heiko Mathias Förster, Solisten, deren Stimmen mit jedem Ton den Meister klingen ließen und ein kulturhungriges Publikum. Und natürlich Jan-Josef Liefers. Der ist nicht Loriot. Doch als er am Beginn der Handlung „Das Rheingold“ und sein Personal erläuterte, reichte ein, nein, sein Artikulieren des Namens Alberich, um eine emotionale Aufwallung beim Publikum auzulösen, die klar machte, dass Prof. Karl-Friedrich Börne, fernsehbekannter Gerichtsmediziner aus dem „Tatort Münster“ hier süffisant erklärt, zuspitzt, überspitzt. Die unausgesprochene Übereinkunft sagte, es ist sein Abend. Doch die Grenzen sind fließend. Alle gehen in Wagners Werk auf. Nicht nur die Künstler und das beflissen lechzende Kulturbürgertum, auch die auffallend vielen Musikstudenten der Hochschule „Franz Liszt“, die während der Pause das eine oder andere Stück anstimmten. Der ganze Abend war ein Fest für die Sinne. Und damit möglichst viele Menschen daran teilnehmen konnten, fand es in der geräumigen Weimarhalle statt.
Es war die erste Gelegenheit, uns mit unseren druckfrischen Mitteldeutschen Richard-Wagner-Nachrichten und Flyern bekannt zu machen . Das Publikum hat sie uns förmlich aus den Händen gerissen. Vielen Dank den Mitarbeitern vom Besucherdienst des DNT für die Unterstützung.
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Ob anlaog oder online – wir präsentieren uns

An allen Ecken und Enden wird geklagt, was Corona alles verhindert. Selbst das Pflegen oder Aktualisieren von Internetseiten scheint in Zeiten von „Heimarbeit“ oder „Wohnbüro“ nicht möglich zu sein. Dem wollen wir etwas entgegensetzen. Unsere Energie werden wir nicht verschwenden für das Suchen von Gründen, warum etwas nicht geht, sondern nach Möglichkeiten und Wegen, wie es doch gehen kann. Deshalb wurde am 30. Mai 2021 unser Richard-Wagner-Zentrum Mitteldeutschland gegründet.
Danach begann die Aufbauarbeit – wie immer ehrenamtlich, in der Freizeit, mit viel Engagement und manchen Steinen im Weg, die es wegzuräumen galt und gilt. Sysiphos wird
man hier aber nicht am Werk sehen, denn wir haben uns geschworen, nur so lange am Werk zu sein, wie es Spaß macht. Und klar ist auch – Richard Wagner steht im Mitttelpunkt. Trotzdem sind wir kein Richard-Wagner-Verband. Nicht nur in Mitteldeutschland werden die in der Fläche unauffälliger. Deshalb sehen wir uns als sinnvolle Ergänzung.
Wir können aber nur wirklich aktuell, informativ und unterhalsam sein, wenn uns unsere Mitglieder und die interessierte Öffentlichkeit dabei unterstützen. Geben Sie uns bitte Rückmeldungen, was wir besser, oder richtiger machen können. Davon lebt ein Verein. Wir freuen uns darauf.

Wagner Heft 1/2021